Arbeitsökonom Michael Siegenthaler sieht bereits jetzt Verschiebungen im Jobmarkt durch künstliche Intelligenz. Er prognostiziert, dass jüngere Arbeitssuchende stärker betroffen sein werden als erfahrene Arbeitskräfte und dass insbesondere Tätigkeiten ohne Hochschulabschluss gefragt bleiben dürften.
Als Dozent am Departement Management, Technologie und Ökonomie des KOF-Instituts an der ETH Zürich fokussiert er seine Forschung auf den Schweizer Arbeitsmarkt. Im Gespräch mit SRF News äußert Siegenthaler, dass generative KI insbesondere in Berufen Einfluss nimmt, die Schreiben, Programmieren oder Recherchieren beinhalten, wie etwa bei Softwareentwicklern, Webdesignern, Journalisten oder Callcenteragenten.
Berufe, deren Aufgaben weniger computergestützt sind, wie Reinigung, Gastgewerbe oder manuelle Tätigkeiten im Bau und Handwerk, werden hingegen weniger beeinflusst. Jüngere Arbeitssuchende seien stärker von Strukturwandel betroffen, da sie häufiger auf Stellensuche sind und die Technologie eher Personen ohne Berufserfahrung ersetzt.
Ältere Arbeitskräfte könnten ebenfalls von der KI-Beeinflussung betroffen sein, da auch bei ihnen eine Zunahme der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen sei. Allerdings üben sie oft Tätigkeiten aus, die schwerer durch KI ersetzbar sind, wie Managementfunktionen oder Aufgaben, die viel Erfahrung erfordern.
Der Einfluss von KI auf die Arbeitslosigkeit ist nach Siegenthalers Einschätzung momentan überschaubar. Er betrifft hauptsächlich Berufe wie Softwareentwicklung und Marketing und trägt maximal ein Fünftel zur Arbeitslosigkeitszunahme der letzten drei Jahre bei.
Die langfristigen Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt sind ungewiss. Während die Digitalisierung in den vergangenen fünfzig Jahren keine dramatischen Veränderungen mit sich brachte, könnte der Einfluss autonomer Systeme und Roboter diesmal anders sein.
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