Seit der Unabhängigkeit Malis streben die Tuareg nach einem eigenen Staat, Azawad genannt. In jüngster Zeit haben sie sich mit den Jihadisten verbündet, eine Koalition, die jedoch instabil bleibt. Ende April wurden koordinierte Angriffe in Mali verübt: Während Jihadisten Selbstmordattentate gegen Militärvertreter nahe Bamako führten, griffen Tuareg-Rebellen Truppen des russischen Afrikakorps im Norden an und vertrieben sie von ihren Basen. Diese Ereignisse wurden in sozialen Medien dokumentiert, mit Videos, die Experten zufolge Alghabass Ag Intalla, Anführer der Tuareg-Separatisten des FLA (Front de libération de l’Azawad), und Iyad Ag Ghali, Chef der Jihadistenmiliz JNIM, live am Bildschirm zeigen. Die Allianz ist aufgrund unterschiedlicher Ziele fragil: Während die Jihadisten die Scharia einführen wollen, kämpfen die Tuareg seit Langem für Unabhängigkeit. Diese Zusammenarbeit markiert einen historischen Bruch, da die Tuareg traditionell einen moderaten Islam pflegten. Die Vereinbarung zwischen den Jihadisten und den FLA-Rebellen im Februar 2025 führte dazu, dass sich letztere zur Einführung der Scharia bereit erklärten. Obwohl die Tuareg-Nationalisten in der Vergangenheit mit Jihadisten wie Ansar Dine kooperierten, verloren sie schnell an Boden, da diese Gruppen einen islamischen Staat wollten. Nach dem kurzen Siegeszug der Jihadisten Mitte 2012 und französischer Intervention 2013 blieben die Jihadisten weiterhin aktiv. Die russische Wagner-Gruppe übernahm 2021 die Anti-Terror-Mission in Mali, musste aber nach einem Angriff wieder zurückweichen. Trotz internationaler Bemühungen bleibt Mali instabil, was den Tuareg-Separatismus befeuert. Ursprünglich als „blaue Ritter der Wüste“ idealisiert, leiden die Tuareg unter schwierigen historischen Umständen und sozialen Spannungen mit anderen ethnischen Gruppen in Mali. Ein Friedensabkommen 2015, das den Tuareg größere Autonomie zusicherte, wurde nach russischer Unterstützung für die Militärregierung aufgekündigt. In dieser komplexen Lage suchte der Tuareg-Führer Ag Intalla wieder Anschluss an Jihadisten, was zu einer fragilen Waffenstillstands- und Bündnisbildung führte. Die Zukunft dieses Zusammenschlusses ist unsicher, da unterschiedliche nationale Interessen bestehen bleiben.