Die Drohnenhersteller in Taiwan bewerben ihre Produkte als «non-red» – frei von chinesischen Bauteilen. Trotz beachtlicher Fortschritte gibt es jedoch einen empfindlichen Schwachpunkt. Im ersten Quartal des Jahres verkaufte Taiwans Drohnenindustrie 136.010 Einheiten nach Europa, hauptsächlich in Polen und Tschechien, was einem Anstieg im Vergleich zu den 107.000 Drohnen im gesamten Vorjahr entspricht. Zwei Jahre zuvor exportierte Taiwan kaum Drohnen. Ein nicht offiziell bestätigtes Detail ist der Umstand, dass ein Großteil dieser Drohnen von Polen und Tschechien in die Ukraine weitergeleitet wird. Kiew zögert dabei, offizielle Beziehungen mit Taipeh aufzunehmen, da seine eigene stark von chinesischen Komponenten abhängige Drohnenproduktion durch einen Lieferstopp aus China erheblich leiden würde. Taiwans Hersteller nutzen die starke Präsenz Chinas im Markt für Drohnen und deren Komponenten – wie Batterien, Motoren und Steuerungen – als Chance. Insbesondere westliche Behörden in den USA betrachten chinesische Produkte zunehmend als sicherheitsrelevant problematisch. Das taiwanische Militär hat dies erkannt und verlangt von Lieferanten, dass sie keine chinesischen Produkte oder Komponenten verwenden. In Taiwan sind zahlreiche Unternehmen in die Drohnenproduktion eingestiegen und haben ihre Kapazitäten ausgebaut, um eine «non-red supply chain» zu etablieren. Diese soll ohne chinesische Bauteile funktionieren, was für den Militärbedarf verpflichtend ist. Exporte sollen Skaleneffekte schaffen und die Kosten senken. Dennoch gibt es einen entscheidenden Bereich, in dem dies nicht gelingt: seltene Erden und Magneten für Elektromotoren. «Die Abhängigkeit von seltenen Erden und den daraus hergestellten Magneten ist nach wie vor groß», erklärt Cathy Fang vom Research Institute for Democracy, Society, and Emerging Technology in Taipeh. Sollte China die Lieferung dieser Materialien nach Taiwan unterbinden oder reduzieren, hätte dies schwerwiegende Folgen für die taiwanische Produktion. «Selbst Verzögerungen oder Reduzierungen können Auswirkungen haben», sagt Fang. Max Lo, Vorsitzender der Taiwan National Drone Industry Association, relativiert das Problem: Die aktuellen Bedarfe seien noch überschaubar und größtenteils aus nicht-chinesischen Quellen wie Malaysia oder Japan gedeckt. Dennoch könnte bei einer massiven Produktionssteigerung die Nachfrage schwer zu decken sein. Lo hofft auf eine verstärkte Produktion in Ländern wie Australien und Japan sowie technische Innovationen, um den Bedarf an seltenen Erden zu reduzieren. Ein Beispiel aus der Automobilbranche zeigt Potenzial: Der Elektromotor des neuen Nissan Leaf benötigt laut japanischen Medien 90 Prozent weniger seltene Erden als das Vorgängermodell. Ein Besuch bei AIDC in Taichung verdeutlicht die Herausforderungen. Das Unternehmen produziert und wartet Kampfjets sowie Helikopter und ist ein Zulieferer für zivile Flugzeugbauer wie Bombardier. Seit 2024 baut es auch Kampfdrohnen und Drohnenabwehrsysteme. Viele Komponenten in Düsentriebwerken bestehen aus seltenen Erden-Legierungen, während viele Drohnen von AIDC Elektromotoren mit Magneten aus seltenen Erden verwenden. Bei der Frage nach dem Nachschub dieser Materialien, die China kontrolliert, erwähnt Alex Tsai, zuständig für das militärische Geschäft bei AIDC, lediglich den Vorrat in Friedenszeiten. Thunder Tiger, ein weiterer Drohnenhersteller in Taichung, ist bekannt für seine breite Palette an Überwachungs- und Kampfdrohnen. Als asiatisches Unternehmen im amerikanischen Blue-UAS-Programm zertifiziert, bestätigt Geschäftsführer Gene Su, dass Thunder Tiger keine seltenen Erden selbst verarbeitet, sondern Magnete von Zulieferern bezieht und deren Herkunft überprüft. Der Besuch bei AIDC und Thunder Tiger fand im Rahmen einer Pressereise des taiwanischen Außenministeriums statt.