Präsident Trump hat die jahrzehntelang geltenden Sanktionen gegen den Kriegsgegner Iran gelockert, was deutlich macht, wie stark der wirtschaftliche Druck auf das Weiße Haus durch steigende Ölpreise ist. Trotz militärischer Überlegenheit der USA sind die wirtschaftlichen Risiken des Konflikts zu einem kritischen Problem geworden. Die Annahme, dass Iran wegen einer möglichen Blockade der Straße von Hormuz nicht zurückschlagen würde – ein wesentlicher Kanal für 20 Prozent des weltweiten Öls und Flüssiggases – war naiv.
Aktuell sind die Preise für WTI- und Brentöl um über 50 Prozent gestiegen, europäisches Erdgas hat sich verdoppelt. Diese steigenden Trends treiben Trump dazu, regelmäßige Erklärungen auf seiner Plattform Truth Social abzugeben, um den Anstieg zu bremsen – ein Unterfangen, das oft kontraproduktiv ist und zu einer Preisschwankung führt, wie jüngste Ereignisse zeigen.
Mal sieht Trump ein nahendes Kriegsende vor sich, mal befiehlt er den Einsatz weiterer Elitesoldaten im Golf. Mal droht er mit Bombenangriff auf iranische Kraftwerke zur Freigabe der Straße von Hormuz, dann wieder verlängert er sein Ultimatum um fünf Tage wegen angeblicher Gespräche mit Iran – was dieser prompt dementierte.
Diese politischen Unstimmigkeiten fördern an den Energiemärkten die Verunsicherung und verschärfen das politische Problem in den USA, wo der Benzinpreis stark angestiegen ist. Dies treibt die Kosten für andere Güter in die Höhe und befeuert Inflationstendenzen, was bei Trumps Wählern und innerhalb seiner Bewegung Maga auf Unmut stößt.
Vor diesem Hintergrund entschied sich die US-Regierung zu dem überraschenden Schritt, seit Jahren bestehende Sanktionen für iranisches Öl zu lockern: Iran darf nun bereits in Tankern auf See befindliches Öl 30 Tage lang verkaufen. Ein ähnlicher Schritt war kürzlich auch für russisches Öl getroffen worden.
Diese Maßnahmen, sowie die Freigabe strategischer Reserven Mitte März, hatten erwartungsgemäß keinen dauerhaften Effekt auf den Preisdruck. Laut S&P Global Commodities befindet sich zwar Erdöl im Wert von rund 70 Millionen Barrel in der Region – was jedoch nur den weltweiten Bedarf eines Tages deckt. Dies reicht kaum aus, um die Märkte zu beruhigen.
Für nachhaltig niedrigere Energiepreise wäre eine Öffnung der Straße von Hormuz oder gar ein Kriegsende unerlässlich. Alle anderen Maßnahmen bieten bestenfalls kurzfristige Entlastungen. Selbst bei einem Ende des Konflikts könnten sich die Preise erst Monate später stabilisieren, da Produktion und Transport wieder aufgenommen werden müssen. Zudem sind Teile der Infrastruktur irreparabel beschädigt.
Während die USA militärisch überlegen bleiben, könnte das Überleben Irans in der öffentlichen Wahrnehmung als Sieg für das Mullah-Regime gelten. Für Trump erhöhen sich mit jedem Tag steigender Ölpreise die wirtschaftlichen Schmerzen.