In seiner neuen Dokumentation «Inside the Manosphere» auf Netflix entlarvt der britische Journalist Louis Theroux die Welt einer digitalen Gegenkultur, die sich selbst für revolutionär hält. Die Protagonisten dieser Szene sind sowohl beunruhigend als auch schnell zu enttarnen.
Die Manosphere ist kein klar abgegrenztes Netzwerk, sondern ein weltweit vernetztes Milieu, das aus Podcastern, Streamern und Influencern besteht. Diese teilen eine gemeinsame Erzählung: Männer seien die Verlierer einer neuen Ordnung, in der Frauen zu mächtig seien und echte Männlichkeit im Rückzug begriffen sei. Ein Teil dieser Szene sind die Incels – «involuntary celibates» –, deren radikale Ablehnung von Frauen als Ausdruck ihrer Unzufriedenheit gilt.
Seit über einem Jahrzehnt prägt der Begriff Manosphere das Internet und ist seit den Trump-Jahren auch in politischen und kulturellen Diskursen angekommen. Was neu ist, sind die Verbreitungsgeschwindigkeit und die Form dieser Ideologien.
Theroux begegnet dieser Welt direkt: In Miami diskutiert er mit Justin Waller über dessen «einseitig monogame» Ehe, in der nur seine Partnerin Treuepflichten hat. Myron Gaines weist Frauenfeindlichkeitsvorwürfe zurück und behauptet, sein Wissen über die Bedürfnisse von Frauen sei größer als das vieler anderer. Harrison Sullivan, bekannt als HSTikkyTokky, demonstriert in Marbella seine Sicht auf Geschlechterrollen durch provokante Aktionen.
Die Dokumentation zeigt, wie diese Männer Aufmerksamkeit gewinnen: durch immer lautere und extreme Darstellungen ihres Lebens. Die eigentliche Absicht ist es jedoch, den Inhalt zu monetarisieren – durch kostenpflichtige Kurse oder Investment-Tipps, die an junge, verunsicherte Männer gerichtet sind.
Theroux offenbart auch Brüche in diesen scheinbar selbstsicheren Persönlichkeiten. Ein Gespräch mit Gaines endet abrupt, als ein Moment von Zweifel und Schmerz durchbricht. Wiederkehrend treten Andrew Tate und seine Brüder auf, die wegen schwerer Anklagen wie Menschenhandel vor Gericht stehen. Ihre immense Popularität steht im Kontrast zu ihrem tatsächlichen Einfluss.
Die Dokumentation schließt mit einer Diskrepanz zwischen den Versprechungen der Manosphere und ihrer Realisierbarkeit: Illusionen oder unerreichbare Träume, verkauft an ein Publikum, das von Algorithmen und sozialer Dynamik abhängig ist. Die Welt, die Theroux darstellt, bietet Reichtum und Dominanz nur als Erzählung – eine, die sie selbst nicht glauben.
Louis Theroux: Inside the Manosphere. Auf Netflix, 91 Minuten.