Letztes Jahr hat das Drogeninformationszentrum der Stadt Zürich (DIZ) eine Rekordanzahl von fast 4700 Proben analysiert. Eine bemerkenswerte Entwicklung ist die zunehmende Reinheit bestimmter Drogen in Zürich. So wurde festgestellt, dass lediglich in 14 Prozent der Kokainproben Streckmittel vorhanden waren. Der Co-Leiter des DIZ, Joel Bellmont, sieht darin sowohl positive als auch negative Aspekte: Während die Abwesenheit von Streckmitteln Leber- und Hirnschäden verhindern kann, erhöht sich gleichzeitig das Risiko einer Überdosierung aufgrund der höheren Reinheit. Zudem könnten Konsumentinnen und Konsumenten fälschlicherweise annehmen, dass die Droge nicht gestreckt ist, obwohl Kokain selbst bereits ein hohes Schädigungspotential besitzt.
Auch bei Ecstasy setzt sich der Trend zu höheren Dosierungen fort. In einem Fall wurde in einer Tablette 400 Milligramm Wirkstoff nachgewiesen – dreimal die empfohlene maximale Dosis für einen Erwachsenen mit 80 Kilogramm Körpergewicht. Obwohl dieser Fall extrem ist, weisen fast 90 Prozent der analysierten Pillen hohe oder sehr hohe Dosierungen auf.
Neben den bekannteren Substanzen hat sich in Zürich zudem Cathinon als neue Partydroge etabliert. Diese aus der Katpflanze stammende Substanz ist vor allem in Ostafrika und arabischen Ländern verbreitet. Die Gefahr steigt besonders, wenn Konsumentinnen und Konsumenten die Inhaltsstoffe ihrer Drogen nicht kennen oder andere Wirkstoffe enthalten sind als erwartet. Bellmont betont daher die Notwendigkeit von Aufklärung über den Inhalt der Produkte und deren Dosierungen.
Glücklicherweise wurden in Zürich synthetische Opioide wie Fentanyl, das 100-mal stärker als Morphin ist, bisher nur selten nachgewiesen. Im letzten Jahr wurde diese Droge gar nicht gefunden – sie hat jedoch bereits in den USA zahlreiche Todesfälle verursacht und könnte theoretisch auch Zürich erreichen. Um sich darauf vorzubereiten, wurden letztes Jahr bereits Maßnahmen wie Schulungen, Notfallmedikamente und Sensibilisierungskampagnen eingeführt.
Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 07.05.2026, 17:30 Uhr