Unübersichtliche Transaktionen, die an den Rohstoffbörsen ICE und CME stattfanden, umfassen Terminkontrakte für Rohöl, Diesel und Benzin. Die Identität der Wetten-Platzierenden sowie deren Standorte sind unbekannt.
Bei diesen Geschäften handelte es sich um Leerverkäufe (Short-Positionen), bei denen Investoren auf fallende Kurse spekulierten. Infolge eines Ölpreisrückgangs von über 10 Prozent an den betreffenden Tagen dürften die Unbekannten dreistellige Millionengewinne erzielt haben.
Auffällige Transaktionsmuster ergaben sich an vier bestimmten Daten: Am 23. März, kurz vor Trumps Ankündigung über eine Verschiebung von Angriffen auf iranische Energieinfrastruktur, wurden Wetten im Wert von 2.2 Milliarden Dollar platziert, gefolgt von einem Ölpreisrückgang um bis zu 15 Prozent.
Ähnliche Vorgänge ereigneten sich am 7. April vor einer Waffenruhe-Ankündigung Trumps mit Verkaufsaufträgen im Wert von 2.12 Milliarden Dollar, am 17. April bezüglich der Wiedereröffnung der Straße von Hormus mit fast zwei Milliarden Dollar sowie am 21. April vor einer Verlängerung der Waffenruhe mit rund 830 Millionen Dollar.
Experten reagierten besorgt auf die Daten: „Die Volumina waren ungewöhnlich und fokussiert, zudem kamen sie rechtzeitig vor wichtigen Ankündigungen“, äußerte Jorge Montepeque von Onyx Capital Group. Auch Adi Imsirovic vom Center for Strategic and International Studies (CSIS) betrachtet die Transaktionen als „gut informierte“ Aktionen, da sie politischen Entscheidungen unmittelbar vorausgingen. US-Behörden wie die Derivateaufsicht CFTC könnten Zugang zu den Börsendaten haben, um Aufschluss über die Verantwortlichen zu erhalten.
Die zeitlich präzisen Geschäfte lösten Forderungen nach behördlichen Ermittlungen wegen möglicher Insiderhandelsfälle aus. Nach Angaben einer vertraulichen Quelle prüft die Börse CME diese Vorgänge, während eine andere Person bestätigte, dass auch die CFTC ermittelt. Demnach hat sich zudem das US-Justizministerium eingeschaltet.
ICE und CME sowie die Behörden lehnten Stellungnahmen ab oder waren zunächst nicht zu erreichen. Die US-Regierung warnte ihre Angestellten davor, nicht öffentliche Informationen für eigenen finanziellen Vorteil zu nutzen: „Alle Bundesbediensteten sind an Ethikrichtlinien gebunden, die den Gebrauch von Insiderinformationen zum persönlichen Nutzen verbieten“, so ein Sprecher.
SRF 4 News, 8.5.2026, 16 Uhr