Ein weitreichender Skandal erschüttert das Unispital Zürich. Die Verantwortung wird unter anderem dem ehemaligen Klinikleiter, Francesco Maisano, zugeschrieben, dessen Nähe zur Industrie und Führungsmängel bemängelt werden. Was führte zu dieser Krise? Dysfunktionale Kontrollmechanismen, mangelnde Qualitätssicherung oder der Wunsch nach Renommee statt einer Kultur des offenen Umgangs mit Fehlern? Francesco Maisano leitete von 2014 bis 2020 die Herzchirurgie und stand schon seit einem Jahr als Oberarzt vor Ort. Seine rasche Ernennung zum Direktor, initiiert vom damaligen Klinikleiter Volkmar Falk, wird nun rückblickend als überhastet bezeichnet.
Maisano, der das Cardioband mitentwickelte, hat sich nicht zu den Vorwürfen geäußert. Laut Untersuchungskommission habe er seine Interessen stets offengelegt und betont, dass Entscheidungen ein Team traf. Er sieht sich nicht als Hauptverantwortlichen des Skandals. SRF-Wissenschaftsredaktorin Irène Dietschi kritisiert, die Spitalleitung sei von Maisanos Innovationsgeist getäuscht worden, ohne seine Qualifikationen genau zu prüfen.
Maisano verfügt weder über einen Doktortitel noch eine Habilitation. Trotzdem wurde er zum Klinikdirektor ernannt und mit einer Professur ausgezeichnet. Sein ambitioniertes Ziel war es, die Herzchirurgie mithilfe des minimalinvasiven Cardiobands zu revolutionieren, das bei der Mitralklappenreparatur eingesetzt wird.
Erika Ziltener, Leiterin der Patientenstelle Zürich, erinnert sich an Maisanos charmantes Auftreten gegenüber Patienten. Doch nach einem erfolgreichen Gespräch kam es zu Komplikationen und dem Tod einer Patientin kurz nach dem Eingriff. Ein geplantes aufklärendes Gespräch fand nie statt.
André Plass, ein ehemaliger leitender Arzt, berichtet von Maisanos charmantem Verhalten nur bei Erfolgen. Die Tierversuche mit dem Cardioband waren problematisch, und die Studie am Unispital wurde ohne Zulassung durchgeführt, was zu verzerrten Ergebnissen führte.
Erste Berichte über Probleme in der Herzklinik kamen 2018 auf; 2019 erstattete Plass Beschwerde. 2020 wurden Maisano und Plass entlassen. Der Spitalrat erklärte dies zum Neuanfang, doch die Frage bleibt: Warum wurde Maisano nicht früher gestoppt? Dietschi meint, alle seien vom Innovator begeistert gewesen, selbst als die Mortalitätsrate stieg.
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