Trotz Behauptungen von US-Präsident Trump und israelischem Premier Netanjahu, wonach das iranische Raketenprogramm weitgehend zerstört sei, setzt Iran weiterhin Raketenstarts gegen Ziele in Israel und den Golfstaaten fort. Am Wochenende feuerte der Iran zwei Raketen auf den US-britischen Militärstützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean ab. Der Experte Fabian Hoffmann vom Oslo Nuclear Project (ONP) analysiert die Hintergründe dieser Aktion.
Fabian Hoffmann, ehemaliger Mitarbeiter des International Institute for Strategic Studies (IISS), konzentriert sich in seiner Arbeit auf Raketentechnologie und Verteidigungspolitik. Auf eine Frage von SRF News nach der Überraschung über die iranischen Raketenangriffe antwortete Hoffmann, dass dies nicht unerwartet sei, da Iran seit Jahrzehnten ballistische Raketen mit einer Reichweite bis zu 2000 Kilometern entwickelt und einsetzt. Eine Erweiterung der Reichweite auf bis zu 4000 Kilometer wäre eher eine Fortentwicklung.
Die Absicht hinter dem Angriff auf Diego Garcia sei es gewesen, vor allem den europäischen Staaten wie Großbritannien das eigene Handlungspotenzial zu demonstrieren. Diskussionen in Europa bezüglich möglicher Raketenangriffe auf Städte wie die Schweiz erläuterte Hoffmann mit zwei Szenarien: Zum einen die Entwicklung mehrstufiger ballistischer Raketen, zum anderen eine Reduktion der Nutzlast zur Reichweitenerweiterung.
Der aktuelle Zustand des iranischen Raketenarsenals sei schlechter als vor dem Konfliktbeginn, wobei viele Startplattformen und Produktionsstätten zerstört wurden. Dennoch verfügt Iran weiterhin über die Fähigkeit, einige ballistische Raketen und Langstreckendrohnen abzufeuern.
Ein vollständiges Ausmerzen des iranischen Raketenprogramms durch die USA oder Israel sei praktisch unmöglich, da der Iran ein hohes Maß an Expertise in diesem Bereich besitzt. Die Zerstörung von Produktionsanlagen würde zwar schmerzhaft sein, aber diese könnten theoretisch wieder aufgebaut werden. Daher streben einige israelische Strategen einen Regimewechsel im Iran an, um eine zukünftige Wiederaufnahme des Raketenprogramms zu verhindern.
Das Interview führte Matthias Kündig.