Die Verlängerung der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran kam überraschend, da Präsident Trump zunehmend die unpopulären innerstaatlichen Konsequenzen eines Krieges fürchtet. Ein Fiasko bei den bevorstehenden Zwischenwahlen könnte die Republikaner treffen.
In Islamabad waren umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden: pakistanische Militäreinheiten bewachten den Flughafen und in der Stadt sassen Soldaten bereit. Luxushotels wurden nach Berichten des “Wall Street Journal” für Verhandlungen requiriert, aber die Friedensgespräche scheiterten vor Beginn.
Die amerikanische Air Force Two blieb am Boden, da auf ein Signal aus Teheran gewartet wurde. Die dortige Führung konnte sich nicht auf einen gemeinsamen Ansatz einigen. Trump kündigte schließlich über “Truth Social” die Verhandlungen als obsolet an und verlängerte die Waffenruhe bis auf weiteres, um den Iraniern Zeit für eine einheitliche Lösung zu geben.
Offenbar zweifelte man im Weissen Haus daran, dass die iranischen Unterhändler genügend Macht hatten. Es scheint eher so, als ob die Revolutionswächter eine diplomatische Lösung torpedieren. Trump will nun das inneriranische Ringen beobachten und hofft möglicherweise auf einen Coup d’État.
Seine Kehrtwende kam überraschend, da er zuvor ein Bombardement in Aussicht gestellt hatte. Diese Drohung könnte entweder eine leere Geste zur Stärkung der Verhandlungsposition gewesen sein oder sie spiegelt Trumps Kriegsmüdigkeit wider.
Im Gegensatz zum schnellen Erfolg des Enthauptungsschlages gegen das Maduro-Regime in Venezuela wird der Militäreinsatz im Iran zunehmend zur politischen Belastung. Eine Umfrage von “Newsmax” zeigt, dass 52 Prozent der Wähler den Einsatz unterstützen würden – eine Behauptung, die angesichts anderer Erhebungen, die nur Zustimmungsquoten unter 40 Prozent zeigen, unplausibel erscheint.
Das “Wall Street Journal” berichtet, Trump sei nervös und ringe mit eigenen Ängsten. Nach dem Abschuss eines amerikanischen Kampfflugzeugs soll er lange Untergebene angebrüllt haben. Er zieht Parallelen zum Carter-Unglück von 1979, das die Wahlen kostete.
Die Sorge um die Zwischenwahlen ist groß: Die republikanische Mehrheit im Repräsentantenhaus ist gefährdet und neue Wahlkreisaufteilungen in Virginia könnten den Demokraten Sitze sichern. “Politico” berichtet von Unsicherheiten über die Sicherung der Senatsmehrheit.
Strategen sehen das Risiko, dass ein länger andauernder Krieg und eine schwächelnde Wirtschaft die republikanische Mehrheit gefährden könnten. Besonders die steigenden Benzinpreise bereiten Sorgen.
Die “New York Times” meint, für Demokraten scheine alles nach Plan zu laufen: Sie könnten sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat gewinnen. Jüngste Abstimmungen zeigen Verschiebungen zugunsten der Demokraten.
Sollten die Demokraten beide Kongresskammern kontrollieren, könnte Trump mit erheblichen politischen Schwierigkeiten rechnen: Gesetze könnten blockiert und Ermittlungen gegen ihn angestrengt werden. Eine einfache Mehrheit im Repräsentantenhaus genügt für ein Impeachment-Verfahren.