Mit ihrer Debüt-EP “Momänt” hat die Mundartsängerin Melina Nora, gebürtig Melina Rüeger aus Hagendorn bei Cham, ihren einzigartigen Musikstil präsentiert. Ihre Auftritte zeichnen sich durch intimen Kammer-Pop aus, der stark vom Walliser Dialekt geprägt ist – eine Sprache, die sie im Familienkreis spricht und die ihrer Musik eine besondere Intimität verleiht.
Melina Nora rief kürzlich beim M4Music-Festival in Zürich das Publikum dazu auf: “Gönd mit däm go tanzu!” Dieser Aufruf zur Verbindung mit dem inneren Kind ist zentral für den Song “Was hokksch”, der im November 2024 veröffentlicht wurde und schnell über die Radiogrenzen hinaus bekannt wurde. Der Track war ein Sprungbrett für eine Tournee als Vorgruppe von Sina, einer weiteren Walliser Sängerin.
Ihr musikalisches Schaffen fokussiert sich nicht auf erzählerische Geschichten, sondern auf Übergangsmomente und Wahrnehmungen. Diese Thematiken sind auch zentral auf “Momänt”, wo Melina Nora Zustände von Veränderung und Konstanz erforscht und die Frage stellt, was bleibt, wenn man sich verändert.
Die 25-Jährige, die Gesang an der Zürcher Hochschule der Künste studierte und heute selbst unterrichtet, nutzt den Walliser Dialekt als zentrales Element ihrer Musik. Die Sprache wird zum Sound und Resonanzraum – eine Wahl, die sowohl Intimität schafft als auch eine gewisse Verschlossenheit aufrechterhält.
Auf der EP sind Stücke wie “Sigarett” oder das Duett “Moosmattu” mit der Rätoromanin Paula Mia zu hören. Die Lieder sind nicht durch erzählende Texte, sondern durch gesangliche Verdichtungen von Wahrnehmung geprägt: Beobachtungen und innere Bewegungen.
Die älteren Songs “Verformig” und “Permi”, die vor der EP erschienen, haben den stilistischen Weg bereits vorgezeichnet. Diese Musik kreist um Themen wie Anpassung und das Gefühl des Unfassbaren. Noras Stärke liegt in ihren leisen Selbstgesprächen und Gesprächsfetzen.
Ihr Auftritt in der Zürcher Schiffbauhalle zeigt, dass ihre reduzierte Musik beim Ausweiten zu mehr Volumen Gefahr läuft, an Schärfe zu verlieren. Ihr Ansatz basiert auf Nähe und Intimität – Eigenschaften, die auch im Live-Kontext beibehalten werden müssen.
“Momänt” ist ein präzise konstruierter Raum für leise Wahrnehmung und erfordert Hinhören. Die Musik von Melina Nora entfaltet sich erst beim genauen Zuhören, was ihre Nähe zur Zuhörerschaft unterstreicht.
Melina Nora: Momänt (Mouthwatering Records).