Die Konzepte rund um die «kritische Männlichkeit» haben sich vor allem in linken und grünen Kreisen etabliert, mit dem Ziel der ideologischen Anpassung. Sie perpetuieren stereotype Bilder von Männern. Männer sprechen zu wenig über ihre Emotionen, persönlichen Schwierigkeiten sowie Selbstreflexion und Selbstschutz. In den Medien wird mehr über Männer gesprochen – häufig negativ und verallgemeinernd. Es ist unvorstellbar geworden, Frauen in derartiger Weise darzustellen.
Die kanadischen Forscher Paul Nathanson und Katherine K. Young haben bereits seit den 1990er Jahren beobachtet, wie sich eine gesellschaftliche Akzeptanz von Misandrie (Verunglimpfung und Hass gegenüber Männern) entwickelte, die durch bestimmte feministische Kreise gefördert wurde und sich in den Medien festigte. Inzwischen ist es im Mainstream-Medienumfeld üblich, Frauen positiv darzustellen und Männer negativ zu verallgemeinern.
Heute wird Männlichkeit oft mit Toxizität, Gewalttätigkeit und emotionaler Rückständigkeit gleichgesetzt. Das eigentliche Problem besteht jedoch nicht in einem Übermaß an Männlichkeit, sondern im Fehlen einer authentischen Männlichkeit, die auf Mitgefühl, Schutzinstinkten und Stärke basiert.
Es ist dringend erforderlich, dass Männer ihre Sichtweise artikulieren, indem sie die Stärken, Schwächen und Herausforderungen der männlichen Identität beleuchten. Sie sollten helfen, die überzogene öffentliche Diskussion zu korrigieren und Jungen in einer von Verunglimpfung geprägten Welt zu unterstützen.
Die «kritische Männlichkeit» macht Männer eher zum Schweigen, ignoriert psychische Konflikte und fördert eine radikale ideologische Anpassung. Es ist sinnvoller, ihnen Wege zur Bewältigung der Herausforderungen einer hochdifferenzierten, digitalisierten Welt aufzuzeigen.
Öffentliche Diskussionen über Frauen durch Männer sind fast verschwunden und gelten als patriarchalisch oder misogyn. Dies hat dazu geführt, dass Gespräche zwischen den Geschlechtern zur Einbahnstraße wurden.
Die Wahrnehmung von Menschen ist zunehmend hypersexualisiert, während biologische Zweigeschlechtlichkeit oft ideologisch abgelehnt wird. Die emotionalisierte und ideologische Forschung zu geschlechtsübergreifenden Interaktionen hält viele männliche Wissenschaftler davon ab, sich damit zu beschäftigen.
In der modernen Gesellschaft werden Männer als Mängelwesen dargestellt, die ständig korrigiert werden müssen. Dies ist jedoch politisch motivierte Propaganda und kein wissenschaftlicher Fakt. Die Anerkennung dieser Tatsache ist ein erster Schritt zur Veränderung.
Männer sollten sich von der negativen Darstellung in den Medien befreien und die positiven Aspekte ihrer Identität betonen, ähnlich wie Frauen es im 20. Jahrhundert mit der Emanzipationsbewegung getan haben. Michael Klein ist Professor für klinische Psychologie und Sozialpsychologie an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Köln.