Arnon Grünberg besucht Wien, um nach den frühen Idealen des Zionismus zu suchen. Er hinterfragt die Entwicklung der Kultur des Opferdaseins im späten 20. Jahrhundert. Der Satiriker Karl Kraus beschrieb einst Zionismus und Antisemitismus als Spiegelbilder, da beide davon ausgingen, dass Juden in einer nichtjüdischen Welt keinen Platz hätten. Dies führte zu einem Defaitismus vor dem «Dritten Reich». 1945 sahen Überlebende ihre Heimat oft im Lager Auschwitz-Birkenau und betonten eine gefährliche Moralverherrlichung, die die internationale Ordnung herausfordert.
In Wien, wo nur zehn Prozent der einstigen jüdischen Bevölkerung überlebten, offenbart sich die Tragödie einer Kultur des Erinnerns. Die Stadt war einst das kulturelle Zentrum Europas und Heimat von Theodor Herzl, dem Begründer des Zionismus. Herzl wandte sich nach der Ablehnung durch eine deutsche nationalistische Studentenverbindung einem jüdischen Nationalismus zu. In Wien entdeckte Adolf Hitler seine wahre Bestimmung.
Im Jahr 2025 trifft Grünberg in Wien die Historikerin Shoshana Duizend-Jensen, die am Bericht über Österreichs Mitschuld am «Dritten Reich» mitwirkte. Sie verbindet Zionismus eng mit dem Österreichisch-Ungarischen Reich und erwähnt ihre familiäre Zerrissenheit zwischen Orthodoxie und Kommunismus.
Duizend-Jensen führt Grünberg durch Wien und erklärt, dass die erste zionistische Jugendbewegung in Galizien entstand. Der deutsch-österreichische Historiker Philipp Ther erläutert, dass der Nationalstaat trotz seiner Herausforderungen Hoffnung bieten könnte. Er spricht über Autonomieformen ohne Territorium und betont, dass multiethnische Reiche auf transzendentale Ideen basieren.
Während Grünberg Wien verlässt, reflektiert er über Herzls Vision eines jüdischen Staates und die Herausforderungen, denen sich der Nationalstaat gegenübersieht. Ther, obwohl kein Zukunftsforscher, bleibt optimistisch, während er die Komplexität der nationalen Identität und Autonomie diskutiert.