Curtis Melnitz, eine fiktive Figur und deutsch-jüdischer Filmproduzent, klagt über Albträume, die seine Schlaflosigkeit verschlimmern. Dieses literarische Konstrukt von Charles Lewinsky basiert auf dem realen Leben des 1879 in Leipzig geborenen Melnitz, der vor den Nazis in die USA floh. Im Roman, angesiedelt 1959 in Los Angeles, erzählt der achtzigjährige Melnitz im Rahmen seiner Therapiesitzungen seine Lebensgeschichte, während er von Schlafmittelsucht geplagt wird.
Jedes Kapitel ist einer Sitzung beim Psychiater gewidmet, wobei Melnitz wild assoziierend und mit Filmhistorie verwoben sein Leben rekapituliert. Dabei kommen zutage, dass seine Schlafstörungen durch traumatische Erlebnisse wie den Naziterror verursacht sind. Nach dem Krieg suchte er erfolglos nach Verwandten in Deutschland: “Alle seien ‚durch den Kamin gegangen‘”, reflektiert er mit zynischem Unterton.
Lewinskys Melnitz zeichnet sich durch seinen Zynismus aus, der oft unterhaltsam ist. Er argumentiert etwa, dass Unwissenheit über die Zukunft dem Leben Sinn verleiht: “Sonst würden sich alle Babys an ihren Windeln aufhängen. Nicht aus Verzweiflung. Aus Angst vor der Langeweile.”
Charles Lewinsky, knapp achtzig, erwähnt im Vorwort eine biografische Bindung zu Melnitz: Seine Großmutter gehörte zu den Verwandten, die von Melnitz nach Deutschland begleitet wurden, um dort vor den Nazis zu fliehen. Diese Begebenheit inspirierte Lewinsky zu dem Roman.
Melnitz’ Lebensgeschichte offenbart sein tragisches Schicksal: Als Fünfjähriger verlor er seine Mutter und später hängte sich der Vater auf. Er wurde früh selbstständig, entdeckte den Stummfilm und traf Charlie Chaplin. Diese Aspekte bleiben jedoch im Roman hinter dem sarkastischen Ton zurück.
Der Charakter Curtis Melnitz bleibt bis zum Ende rätselhaft und ungreifbar; die innere Verbitterung wird nicht ausreichend beleuchtet. Der Leser fragt sich, warum man diesem Mann über 400 Seiten folgen soll. “Eine andere Geschichte” ist ein Roman von Charles Lewinsky, der zwar faszinierende Aspekte bietet, jedoch sein Potenzial nicht voll ausschöpft.