Erstmals wurde Antimaterie am europäischen Kernforschungszentrum Cern in Genf erfolgreich per Lastwagen transportiert. Dieses Vorhaben und seine Bedeutung erläutert der Physiker und Projektleiter Stefan Ulmer.
Prof. Dr. Stefan Ulmer, Mitglied der BASE-Kollaboration bei der Europäischen Organisation für Kernforschung Cern in Genf, widmet sich präzisen Messungen an Antimaterie-Systemen. Der Transport von Antimaterie stellt nach sechs Jahren intensiver Arbeit einen Meilenstein dar.
SRF News: Wie erleben Sie den Erfolg des ersten Transports von Antimaterie?
Stefan Ulmer: Die Freude ist groß, da wir seit sechs Jahren auf diesen Tag hinarbeiteten. Der erfolgreiche Transport gibt Hoffnung für zukünftige Messungen.
Antimaterie, bestehend aus Antiteilchen wie Positronen und Antiprotonen, steht Materie entgegen. Im Cern werden Protonen in einem starken Teilchenbeschleuniger beschleunigt und auf einen Metallblock geschossen, wobei bei der Kollision Antiprotonen entstehen. Diese müssen mit Magneten getrennt werden, um nicht sofort zu verschwinden.
Was genau haben Sie beim Transport gemacht?
Unser Team speicherte Antiprotonen in einer transportablen Penning-Falle, einem elektromagnetischen Container mit Batteriebetrieb und gefüllt mit Kryoflüssigkeiten bei -268 Grad Celsius. Die Herausforderung bestand darin, diesen Container zu verladen und sicher anzuschließen.
Warum ist dieser Transport ein Meilenstein?
Für uns markiert der Transport den Beginn neuer Forschungswege. Im Cern sind die Messungen aufgrund von Beschleunigerstrukturen limitiert, da diese die Auflösung beeinflussen. Das Ziel des Transports ist es, in einem Labor präzisere Messungen durchführen zu können und somit tiefergehende Erkenntnisse über Antimaterie zu gewinnen.
Warum hat Antimaterie eine Bedeutung?
Die Existenz von Materie gegenüber der verschwundenen Antimaterie bleibt ein Rätsel. Theorien zum Urknall sprechen von einer ursprünglichen Gleichheit, die jedoch nicht eingetreten ist. Es wird vermutet, dass ein minimaler Überschuss an Materie den heutigen Zustand des Universums formte, doch diese Asymmetrie bleibt ungeklärt.
Was erhoffen Sie sich von diesem Durchbruch?
Durch die genaue Spektroskopie der Antimaterie hofft das Team, mehr über die Materie-Antimaterie-Asymmetrie zu erfahren. Die bestehende Physik hat viele offene Fragen und ist unvollständig. Der Transport von Antimaterie könnte Hinweise auf neue physikalische Phänomene liefern.
Gesprächsleiter: Reena Thelly.