Im Genfer Kantonsrat steht momentan eine kontroverse Debatte über den SVP-Politiker Guy Mettan an. Dieser hatte einen Ehrendoktortitel von einer russischen Universität in St. Petersburg erhalten, was laut Tamedia-Zeitungen zu Diskussionen führte. Mit der geplanten Wahl zum Ratspräsidenten in zwei Jahren steht er im Zentrum der Kritik.
Sylvain Thévoz von den Sozialdemokraten sieht darin ein Problem, insbesondere angesichts des Ukrainekrieges. Der Genfer Kantonsrat war über die Ehrung durch eine russische staatliche Universität nicht informiert. Viele Parlamentarier äußerten Unverständnis darüber, dass Mettan den Titel ohne Rücksprache mit dem Rat angenommen hatte. Zudem verstößt dies gegen das Reglement, welches Kantonsräten verbietet, Ehrungen aus anderen Staaten anzunehmen.
Für Thévoz ist damit eine rote Linie überschritten worden, da Mettan als künftiger Ratspräsident sowohl den Parlamentssaal als auch den Kanton Genf repräsentieren wird. Versuche von Radio SRF, Guy Mettan und SVP-Präsident Lionel Dugerdil zu einer Stellungnahme zu bewegen, blieben erfolglos.
Guy Mettans Nähe zu Russland ist bekannt: Er steht der Vereinigung der schweizerisch-russischen Handelskammern vor. 2017 wurde ihm der Freundschaftsorden der Russischen Föderation verliehen. Zudem veröffentlicht er Artikel in der Wochenzeitschrift «Weltwoche». In einem Beitrag von 2024 prognostizierte Mettan den Sieg Russlands im Ukrainekrieg, weil es als regional einheimisch und selbstbewusst agiere.
Politologe Nenad Stojanović aus Genf bezeichnet Mettans Schriften als mögliche Lobbyarbeit für russische Interessen. Erstaunt zeigte er sich über das russische Interesse an einem Schweizer SVP-Politiker, da die Schweiz im Vergleich zu Ländern wie Italien, Deutschland und Frankreich weniger attraktiv sei.
Dennoch gibt es laut Stojanović einzelne prorussische Vertreter in der SVP. Im Bundesparlament wird dies vor allem Jean-Luc Addor zugeschrieben. Letzte Woche reichte dieser eine Motion ein, die den sofortigen Rückzug der Russland-Sanktionen forderte. Er begründet dies mit dem drohenden Rohstoffmangel durch den Irakkrieg und betont, dass die Sanktionen keinen Einfluss auf den Krieg hätten, sondern die Schweizer Bevölkerung belasteten.
Addor, der Verbindungen zu Mettan hat, weist Vorwürfe, er vertritt russische Interessen, entschieden zurück. Er betont sein Handeln als freier Mann und im Schweizer Interesse. Diese Haltung teilt offenbar auch Guy Mettan.