Die Förderung von Kindertagesstätten kann auf unterschiedlichen Wegen erfolgen. Eine Untersuchung von Avenir Suisse zeigt, dass häufig die Institutionen direkt unterstützt werden, zum Beispiel durch Startkapitalhilfen für Kitas, Subventionen oder Defizitgarantien. Allerdings wird in der Studie argumentiert, dass es effektiver wäre, finanzielle Unterstützung direkt an die Eltern zu geben, etwa mittels Betreuungsgutscheinen – eine Praxis, die bisher weniger verbreitet ist.
Patricia Schafer von Avenir Suisse, die sich auf Bildungs- und Sozialpolitik spezialisiert hat, betont: “Eltern sollen die Freiheit haben, selbst zu entscheiden. Dadurch sollten Kitas ihre Angebote stärker an den Wünschen der Eltern ausrichten, statt nach staatlichen Förderungen.” Dieses Modell könnte zudem gezielt benachteiligte Familien unterstützen. Avenir Suisse weist darauf hin, dass Kinder aus einkommensschwachen Haushalten in Kitas unterrepräsentiert sind und von frühkindlicher Betreuung profitieren würden.
Die Studie kritisiert zudem die starke Regulierung durch Kantone wie Waadt und Genf. Patricia Schafer merkt an: “Unsere neuen Indikatoren zeigen übermäßige bürokratische Vorgaben, zum Beispiel bei Bodenbelägen im Kanton Waadt.” Während grundlegende Sicherheitsstandards unverzichtbar sind, sollten viele Entscheidungen den Eltern selbst überlassen werden.
Avenir Suisse empfiehlt drei Ansätze für eine zielgerichtete Kita-Politik: weniger Regulierungen, direkte Unterstützung der Eltern und die Verantwortung bei Gemeinden und Kantonen lassen. Der Bund sollte sich zurückhalten, da lokale Behörden näher an den Bedürfnissen der Bevölkerung sind.
Die aktuelle Politik verfolgt jedoch einen anderen Pfad: Das Parlament hat ein Kita-Gesetz beschlossen, das die SP-Initiative ersetzt. Die SP zieht ihre Initiative zurück unter der Bedingung, dass das Gesetz nicht bekämpft wird und es bei einer Volksabstimmung kein Nein gibt. Dieses Gesetz sieht eine bundesstaatliche Förderung vor, insbesondere Betreuungszulagen für Eltern.
SP-Nationalrätin Min Li Marti kann die Empfehlung von Avenir Suisse nicht teilen: “Wäre es den Kantonen und Gemeinden möglich, ausreichend Kita-Plätze bereitzustellen, die bezahlbar sind und hohe Qualität bieten, bräuchte es keine Bundesebene.” Dennoch sieht sie Handlungsbedarf.
Zudem gibt es erhebliche regionale Unterschiede bei den Kita-Kosten in der Schweiz. Eine gewisse Standardisierung sei wünschenswert. Das aktuelle Gesetz ist moderat aufgestellt, sodass die Kantone selbst entscheiden können, wie die Betreuungszulagen gestaltet werden.