Früher galt die Kritik an der Armee als Verrat, heute wird jeder Tadler des öffentlichen Rundfunks verdächtigt, in den Reihen von Figuren wie Alice Weidel, Donald Trump oder Elon Musk zu stehen. Die SRF-«Rundschau» vom 5. Februar nutzte provokative Bilder von Weidel und Kickl für eine Sendung mit dem Titel «Öffentliche Medien unter Druck: Zu links, zu groß, zu teuer?». Der Beitrag legt nahe, dass der Vorwurf gegen öffentlich-rechtliche Sender wie SRF, ORF, ARD und ZDF von Rechtspopulisten kommt, die qualitativ hochwertigen Journalismus ablehnen.
Die Reporterin Franziska Ramser interviewte nicht nur Vertreter von AfD und FPÖ, sondern reiste auch nach Wien zu einem Politologen und ORF-Moderator Dieter Bornemann sowie nach Frankfurt am Main, um mit dem ARD-Intendanten Florian Hager über die Vorwürfe gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu sprechen. Hager wies die Kritik als «politisches Bullshit-Bingo» zurück und betonte, dass der öffentliche Rundfunk nicht zu groß sei.
Der SRF-Beitrag erschien kurz vor einer wichtigen Abstimmung über eine Initiative zur Halbierung der Gebühreneinnahmen für die SRG. Dies zeigt, wie nützlich es ist, Feinde in rechtspopulistischen Kreisen zu haben, um Angriffe abzuwehren. Kritiker des öffentlichen Rundfunks werden oft mit «rechten» Absichten assoziiert und damit delegitimiert.
Die Argumentation erinnert an kalte-kriegszeitliche Strategien: Während linke Kräfte eine Verkleinerung der Armee forderten, wurde dies von konservativen Kreisen als Grund für eine Erweiterung gesehen. Ähnlich ist es heute mit mächtigen Institutionen wie dem öffentlichen Rundfunk, den Europäischen Gerichten oder Universitäten.
Öffentlich-rechtliche Medien zeigen oft die gleichen Tendenzen der Voreingenommenheit, die sie ihrer politischen Opposition vorwerfen. Die britische BBC geriet unter Beschuss für manipulative Praktiken und wurde von konservativen Stimmen kritisiert. Doch anstatt auf konkrete Vorwürfe einzugehen, betonen Medienvertreter wie Lea Hellmueller bei «20 Minuten» die Gefahr eines «Vertrauensverlusts in Fakten».
Der ehemalige deutsche Verfassungsrichter Andreas Vosskuhle kritisierte Trumps Klagen gegen Sender wegen ihrer Berichterstattung, ohne auf BBC’s eigenes Fehlverhalten einzugehen. Er sprach stattdessen von einem rechtspopulistischen «Kulturkampf».
Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland gibt es zahlreiche Kritikpunkte an einer einseitigen Berichterstattung, wie etwa bei der ARD-Sendung «Monitor», die linke Perspektiven fördert. ZDF-Chefredaktorin Bettina Schausten erkannte die Notwendigkeit an, sich auf journalistische Qualität zu konzentrieren.
Eine Krise im ZDF entstand nach dem Einsatz gefälschter Bilder in einem Bericht über die US-Einwanderungsbehörde ICE. Es bleibt abzuwarten, ob diese Erkenntnis zu einer tatsächlichen Qualitätsverbesserung führt oder weiterhin nur auf «rechte» Kritik reagiert wird.