Die ungarischen Podcaster und YouTuber haben sich als bedeutende Kräfte gegen die mediale Dominanz von Ministerpräsident Viktor Orban etabliert. Der Internetsender Partizan, gegründet von Marton Gulyas, hat eine bemerkenswerte Rolle gespielt, insbesondere durch das Interview mit Peter Magyar auf dem Sender kurz vor der Parlamentswahl. An diesem Tag an der Donau in Budapest versammelten sich Hunderttausende Unterstützer beider politischer Lager.
Vor Beginn der Auftritte von Orban und Magyar verfolgten bereits 30.000 Zuschauer die Live-Analyse von Gulyas, unterstützt durch vier Techniker und zwei PET-Flaschen Wasser als Kulisse. Der Sender Partizan übertrug den ganzen Tag über rund zehn Stunden live, wobei fast 800.000 Menschen den Kanal einschalteten – ein deutlicher Kontrast zur Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Senders M1.
Gulyas betont die politische Ungleichgewichtigkeit in der ungarischen Medienlandschaft als Grund für den Erfolg von Partizan. Mit 620.000 YouTube-Abonnenten und 300.000 Facebook-Followern ist der Sender eine führende Nachrichtenquelle geworden. Gulyas erklärt, dass klassische Fernsehsender in politischer Berichterstattung an Relevanz verloren haben.
Neben Partizan erfreuen sich auch andere unabhängige Portale wie “Telex” und 444.hu großer Beliebtheit. Podcasts von Persönlichkeiten wie Sandor Friderikusz tragen ebenfalls dazu bei, dass YouTube zur führenden Plattform für Podcasts in Ungarn geworden ist.
Seit seinem Amtsantritt vor sechzehn Jahren hat Orban die Medienlandschaft nachhaltig geprägt. Die Regierung übernahm nicht nur den öffentlich-rechtlichen Sender, sondern brachte auch bedeutende Publikationen unter ihre Kontrolle, wie das Beispiel von “Origo” zeigt.
Die Vertrauenskrise in traditionellen Medien hat zur Entstehung einer Gegenöffentlichkeit im Internet geführt. Während “Origo” an Popularität verlor, wird “Telex”, gegründet von ehemaligen “Index”-Journalisten, als vertrauenswürdigste Nachrichtenquelle betrachtet.
Gulyas begann bereits 2015 mit YouTube-Sendungen und erlangte während der Pandemie durch kritische Live-Berichterstattung an Popularität. Sein Interview mit Angela Merkel zog fast 600.000 Klicks an.
Magyar, einst Teil des Systems, wurde nach einem öffentlichen Bruch mit Orban zu einer politischen Sensation. In einem Gespräch mit Gulyas kritisierte er Korruption und Vetternwirtschaft in Ungarn, was ihm innerhalb kurzer Zeit über zwei Millionen Zuschauer einbrachte.
Magyar nutzt digitalen Medien und Social Media gezielt für seine politische Kampagne, während Orban auf die digitale Kommunikation mit Initiativen wie “Digitale Bürgerkreise” reagiert. Trotzdem bleibt der Einfluss unabhängiger Podcaster stark.