Während Aarav, der Kapitän einer motorisierten Dhow, die Küste Omans entlang fährt, bilden schroffe Berge im Hintergrund ein dramatisches Panorama. Links erstreckt sich das offene Meer, und weit entfernte Tanker erscheinen wie stille Zeugen des Verkehrsstillstandes in der Strasse von Hormuz – eine der bedeutendsten und gefährlichsten Wasserstraßen der Welt.
“Normalerweise sind viel mehr Schiffe hier unterwegs”, kommentiert Aarav, während er die indische Familie durch die felsige Küste führt. Die Meerenge zwischen Oman und Iran ist essentiell für den Transport von Erdöl- und Erdgasressourcen der Golfstaaten zu globalen Märkten in Asien, Europa, Afrika und Amerika.
Doch seit dem Luftangriff auf Iran durch die USA und Israel reagiert Teheran mit einer Blockade dieser Wasserstraße. “Kaum Schiffe passieren mehr die Meerenge”, erklärt Aarav. Auf der arabischen Seite herrscht eine unheilvolle Stille, während Möwen über die nackten Felsen fliegen.
Die Golfstaaten, ebenso abhängig von dieser Route wie westliche Industrieländer, drängen auf die Öffnung des Wasserweges. Doch Trump zögert mit militärischem Eingreifen angesichts der potenziellen Gefahren eines Konflikts um Hormuz.
Die Reise zum strategischen Punkt verdeutlicht die Komplexität der Lage: Von den glänzenden Türmen Dubais führt sie durch das schlichte Umland von Sharja und Ajman nach Ras al-Khaima, wo plötzlich eine felsige Landschaft aufragt. Die omanische Halbinsel Musandam bietet ideale Bedingungen für versteckte Militäraktionen.
Auf der iranischen Seite sind die topografischen Gegebenheiten ähnlich herausfordernd, mit Berichten über mobile Jagdteams und Unterwasserdrohnen. Die Bekämpfung solcher Verteidigungsstrukturen stellt selbst für moderne Kampfhubschrauber eine immense Herausforderung dar.
In den Fjorden von Musandam waren Piraten und Schmuggler schon immer aktiv – ein Erbe, das bis in die Zeit der portugiesischen Herrschaft zurückreicht. Heute ist Khasab, ein Hafenstädtchen im Norden Omans, ein Umschlagplatz für illegale Waren zwischen Iran und den Golfstaaten.
“Iraner sind furchtlos”, bemerkt Aarav bei der Navigation durch die Buchten. Hier verhandeln Schmugglerkapitäne über ihre Ladungen. Omanische Behörden tolerieren diese Aktivitäten, aufgrund ihrer historischen und diplomatischen Beziehungen zu Iran.
Lokale Bewohner in Khasab schätzen die kulturellen Verbindungen nach Iran, lehnen aber das iranische Regime ab. Der drohende Konflikt beeinträchtigt den Schmuggel und andere lokale Wirtschaftszweige wie Tourismus und Fischerei.
In Khasab bleibt der Hafen verlassen zurück. Selbst während sintflutartigen Regens, der das Städtchen in ein Gewirr aus Wasserströmen verwandelt, sitzen wenige Menschen im Hotel und trinken Bier. Geschäftsmänner äußern ihre Sorge: die Angst vor wirtschaftlichen Veränderungen, sollte das iranische Regime fallen.
So bleibt Khasab ein Ort gespannter Erwartung inmitten der geopolitischen Spannungen der Region.