In ihrem Buch «Wie kann sie nur?» beleuchtet Sophie Passmann weibliche Neurosen im Internet. Es liest sich wie ein Instagram-Feed: faszinierend und ziellos.
Passmann spricht auf der ZDF-Bühne bei der Leipziger Buchmesse über die sozialen Netzwerke als «gottlose» Orte, von denen sie dennoch nicht loskommt. Sie ist angriffslustig und selbstbewusst und träumt davon, den Buchpreis zu gewinnen – ein Ziel, das vom Literaturkritiker Denis Scheck bisher unerwähnt blieb.
Der Titel «Wie kann sie nur?» verkörpert eine postironische Pose. Passmanns Buch wird aggressiv beworben; in Berlin wurde es auf einer riesigen Plakatwand präsentiert, und auf der Leipziger Messe zierte es sogar eine Betontreppe.
Sophie Passmann, 32-jährige Autorin mit 400.000 Followern, thematisiert ihre ambivalente Beziehung zu den sozialen Netzwerken. Sie beschreibt das Gefühl des Neids, das sie beim Lesen eines Kommentars unter einem Victoria’s-Secret-Model verspürte: «Ich bin neidisch auf ihren Bauchnabel.» Dies führt zu tiefgreifenden Überlegungen über eigene Wünsche und Selbstwahrnehmung.
Frauen werden laut Passmann zunehmend zu Produkten, die durch Konsum gestaltet werden können. Die Freiheit besteht darin, wie man das Ziel erreicht – sei es durch Disziplin oder Abkürzungen wie Botox und Ozempic. Dies spiegelt den Vibe-Shift wider: Glück und Erfolg sind keine Schande mehr.
Passmann thematisiert einen Fatalismus in der Auseinandersetzung mit Neid und Konsum. Sie stellt infrage, ob sich Frauen von diesen Einflüssen lösen können oder einfach Fähnchen im Wind bleiben. Die Möglichkeit des Ausloggens scheint ihr unrealistisch.
Neben Körperbildern werden auch Meinungen online ständig abgeprüft. Passmann gesteht ihre Sucht nach Bestätigung und beschreibt sich als von anderen Meinungen geprägt: «Die Version, die du im Internet zeigst, gibt es nicht.»
Das Buch ist ein flüchtiger Feed in Textform – lustig, bunt und unstrukturiert. Es bietet persönliche Essays über Pop-Feminismus und driftet zwischen tiefgründigen Reflexionen und oberflächlichen Theorien über Internetphänomene.
Passmann präsentiert eine Vielzahl von Online-Kategorien für Frauen, wie Clean-Girls oder Tradwives. Trotz ihrer Leidenschaft für diese Themen möchte sie sich von der moralisch perfekten Feministin verabschieden, bleibt aber etwas unklar in ihrem Ansatz.
Zum Schluss des Buches hinterlässt Passmann eher das Bild einer Frau, die mit ihrer Reichweite Geld verdient und dieses Bedauern empfindet – ein Zustand, den sie hinnimmt. Sie erkennt, dass etwas schief läuft, doch folgt keine Lösung.