Die Metropole Zürich steht vor finanziellen Herausforderungen. Mit einem negativen Ergebnis zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt sieht sich die Stadt wachsenden Schulden gegenüber, während das rot-grüne Parlament und der Stadtrat Ausgaben liberal handhaben.
Eine Ironie in Zürich besteht darin, dass jene Unternehmen, deren Gebäude bei antikapitalistischen Protesten ins Visier genommen werden, einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung des städtischen Haushalts leisten: Banken und Versicherungen. Sie tragen über die gezahlten Steuern maßgeblich zum Staatshaushalt bei.
Eine Studie des Beratungsunternehmens Oliver Wyman, in Auftrag gegeben vom Zürcher Bankenverband, beleuchtet das Gewicht der Finanzbranche für Stadt, Kanton und die Region Zürich. Trotz möglicher Vorurteile durch den Auftraggeber ist das Papier aufschlussreich.
Der Strukturwandel im Bankensektor hat die Region Zürich stärker als andere Teile der Schweiz betroffen: Von 2015 bis 2024 verschwand fast jede sechste Bank in dieser Region (–17 Prozent), während es landesweit etwa jede achte war (–11,6 Prozent). In der Folge sank die Zahl der Bankangestellten von rund 50.000 auf 44.000, während die Gesamtbeschäftigung im Finanzsektor aufgrund von Wachstum bei Finanzdienstleistern, die keine klassischen Banken oder Versicherungen sind, auf 102.000 anstieg.
Die Veränderungen rund um die Credit Suisse, die Ende 2024 mit der UBS fusionierte und deren Kundendossiers erst Mitte 2026 vollständig integriert wurden, spiegeln sich in dieser Studie nicht wider, da sie nur bis 2024 reicht. Zukünftige Entlassungen sind jedoch zu erwarten.
Die Bedeutung des Finanzplatzes für Stadt- und Kantonskassen wird im Bericht bis 2025 untersucht: In der Stadt Zürich bezahlen Banken und Versicherungen laut Studie die Hälfte aller Unternehmenssteuern, ein Anteil, der seit 2019 kontinuierlich gestiegen ist. Die Einnahmen aus diesen Steuern beliefen sich 2025 auf rund 1,1 Milliarden Franken.
Beim Kanton liegt der Anteil der Finanzunternehmen an den Gewinn- und Kapitalsteuern bei etwa 32 bis 40 Prozent, wobei die Daten nur bis 2023 vorliegen. Die Studie berücksichtigt nicht die Steuern der rund 100.000 gut bezahlten Finanzangestellten.
Die Wirtschaftsleistung in Zürich wurde ebenfalls analysiert: Der Finanzsektor trug im Jahr 2023 mit 16,3 Prozent zur regionalen Wertschöpfung bei, vergleichbar mit der vom öffentlichen Sektor getragenen Leistung. In der Stadt Zürich macht er sogar 26 Prozent aus – ähnlich wie in Hongkong und mehr als in Luxemburg oder Singapur.
Die Zukunft des Finanzplatzes Zürich ist ungewiss, da die Integration der Credit Suisse bei der UBS noch nicht abgeschlossen ist und künstliche Intelligenz erheblichen Einfluss auf Banken und Versicherungen haben könnte. Christian Bretscher vom Zürcher Bankenverband betonte jedoch, dass trotz technologischer Fortschritte der Wohlstand gestiegen sei. Kurzfristig könnten dennoch Veränderungen eintreten: Eine Studie des WEF und von Accenture prognostizierte 2025 eine mögliche Automatisierung von bis zu 40 Prozent der Arbeitsplätze in Finanzdienstleistungsunternehmen.
Avenir Suisse warnte bereits 2024 vor den Risiken durch KI, insbesondere für Angestellte im Finanzsektor.