Laut Paolo Montrone, dem Leiter der Meereslogistik bei Kühne + Nagel, werden 90 Prozent des weltweiten Frachtaufkommens auf Containerschiffen transportiert, wovon fünf Prozent durch die Straße von Hormus passieren. Der anhaltende Iran-Krieg verschärft jedoch täglich die Situation, da Container in Häfen nahe der Konfliktzone liegen bleiben müssen – und zwar nicht am ursprünglich vorgesehenen Zielort. Grund hierfür ist ein hundert Jahre altes Gesetz, das es erlaubt, Fracht im Notfall umzuladen, was auf Kosten der Kunden geschieht. Montrone bezeichnet diesen Vorgang als “Termination of Voyage” – Ende der Reise.
Die Container werden oft in kleineren Häfen mit unzureichender Infrastruktur zwischengelagert und blockieren den Warenfluss, da sie an anderen Orten fehlen. Zusätzlich müssen abgeladene Güter auf dem Landweg transportiert werden, was teuer ist, insbesondere wegen des Mangels an Lastwagen.
Ein weiteres Problem ist der Mangel an Schweröl für Containerschiffe, die nur in wenigen Häfen betankt werden können. Diese Bunkerhäfen sind laut Montrone bereits überlastet. Die Lieferketten sind durch zusätzliche Kosten stark belastet: Reedereien verlangen Notzuschläge von bis zu 4000 Dollar pro Container für Kriegsrisiken, Versicherungen, Treibstoff und Umwege.
Philippe Binard von Freshfel berichtet, dass Transportkosten in den Nahen Osten bereits vervierfacht wurden. Besonders betroffen ist seine Branche der Frischwaren, da Gemüse und Obst schnell verderben können. Kühlschiffe im Nahen Osten seien blockiert oder fahren Umwege um Afrika, was zu Monate andauernden Verzögerungen führt.
Laut einer Faustregel in der Logistik benötigt ein Tag Störung eine Woche zur Normalisierung. Logistiker wie Kühne + Nagel versuchen, die Auswirkungen durch Planung einzudämmen, jedoch warnt Montrone vor den globalen Auswirkungen innerhalb von vier bis sechs Wochen. Schon jetzt fehlen Dünger und Plastikverpackungen, was mit der Pandemie vergleichbar sei.
Die Mehrkosten belaufen sich laut Rolf Habben Jansen, dem Chef der Reederei Hapag-Lloyd, auf 40 bis 50 Millionen Dollar pro Woche. Diese Kosten werden an die Containerbesitzer und schlussendlich an die Verbraucher weitergegeben.