Ab sofort werden im Zoo Zürich nur noch Bratwürste mit einem Viertel pflanzlichem Protein verkauft. Die Eröffnung des neuen Sortiments erfolgte am Freitag während einer Medienveranstaltung, die zunächst als Aprilscherz vermutet wurde. Unter dem Slogan «Wurst bleibt Wurst» soll das Produkt ohne Geschmacksverlust zur Reduktion von Treibhausgasen beitragen.
Entwickelt in Kooperation mit der Mérat AG, einem Schweizer Fleischgrosshändler der Migros-Gruppe, wird die Erbsenprotein-Wurst zunächst exklusiv im Zürcher Zoo verkauft. Nach drei Monaten ist sie für weitere gastronomische Betriebe verfügbar und könnte bald auch in Migros-Filialen zu finden sein.
Das Ziel des Zoos ist es, Fleischesser dazu zu bewegen, klimafreundlichere Optionen auszuprobieren. Marcel Ritter, Leiter der Zoo-Restaurants, betont die Notwendigkeit, jene Konsumenten anzusprechen, die das Problem mit verursachen: die 90 Prozent Fleischessenden in der Schweiz.
Nach zwei Jahren Entwicklung erfüllt die neue Wurst alle Anforderungen des Zoos, vom Geschmack bis zur Nachhaltigkeit. Zoodirektor Severin Dressen sieht den Zoo als moderne Naturschutzorganisation, die Nachhaltigkeit auch im Zusammenhang mit der Artenvielfalt priorisiert. Mit dem Ersatz von 100 000 verkauften Bratwürsten pro Jahr erwartet der Zoo eine Einsparung von 4,5 bis 5 Tonnen Fleisch und damit 90 Tonnen CO2e jährlich – vergleichbar mit 233 Autofahrten von Zürich nach Rom. Auch Land- und Wasserverbrauch sollen sich um 45 Prozent reduzieren.
Preislich bleibt die Wurst unverändert, obwohl die Produktionskosten derzeit höher liegen. Gastronomiechef Ritter ist optimistisch, dass Fleischalternativen auf lange Sicht wirtschaftlicher werden könnten.
Die Erbsenwurst regt zudem eine Debatte über pflanzliche Ersatzprodukte an. Anders als bei rein pflanzlichen Produkten dürfen Tierbezeichnungen verwendet werden, da die neue Wurst hauptsächlich aus Fleisch besteht. Im Zoo bleibt es daher bei der Bezeichnung «Kalbsbratwurst», mit dem Zusatz «Kalb/Schwein/Erbsenprotein». Wie gut sich das Produkt etabliert und ob Kunden den Ersatz bevorzugen, bleibt abzuwarten.