Im Konkursverfahren vor dem Bezirksgericht wird debattiert, ob der sofortige Konkurs oder ein Aufschub von einem Monat im Interesse der Gläubiger wäre. Am Morgen des 10. Dezembers war die Zürcher Stahlbaufirma Baltensperger unbekannt, am Abend wurde sie bekannt durch das spektakuläre Missgeschick beim Bau der neuen Voliere im Zoo Zürich. In nur hundert Tagen endet eine 65-jährige Tradition des Familienunternehmens aus Höri, das rund 70 Mitarbeiter beschäftigte, zumindest in seiner bisherigen Form.
Laut Unterlagen zur Konkursverhandlung am Bezirksgericht Bülach sind sich die Interessenvertreter der Firma und ihrer Gläubiger einig, dass ein Konkurs unumgänglich ist. Die Streitfrage liegt in der Entscheidung über den Zeitpunkt des Konkurseröffnens. Besonders aufschlussreich ist das Verfahren, da es die Entwicklung des Konflikts offenlegt.
Der Streit zwischen Baltensperger und dem Zoo dreht sich um die Schuld für den Abbruch der Bauarbeiten an der Voliere. Bis Dezember zahlte der Zoo 9,5 Millionen Franken an Baltensperger. Nach der Beendigung der Zusammenarbeit zog er bei der ZKB, der Hausbank von Baltensperger, 4 Millionen als Garantie ein, was die Liquidität des Stahlbauers stark beeinträchtigte.
In den letzten drei Monaten konnten sich die Konfliktparteien und die beteiligte ZKB nicht auf eine Sanierungslösung einigen. Der vom Gericht eingesetzte Sachwalter Oliver Kälin bemühte sich um eine Lösung, konnte diese jedoch nicht herbeiführen, da die Besitzer von Baltensperger einen vorgelegten Rettungsplan ablehnten. Ihr Anwalt berichtet im Gerichtsantrag, dass eine pfannenfertige Sanierungslösung ausgeschlagen wurde, obwohl der Zoo und die ZKB großzügig entgegenkamen.
Die genaue Ausgestaltung dieser Lösung bleibt unklar. Sie hätte jedoch vorgesehen, dass Baltensperger die Bankschulden auf eine Immobiliengesellschaft überträgt und der Zoo sich an den Schulden beteiligt. Stattdessen favorisiert das Unternehmen einen eigenen Plan: Die Umstrukturierung des Geschäftsbetriebs in eine neue Firma namens Baltensperger Stahl AG, die bereits Mitte Januar gegründet wurde. Der Anwalt argumentiert, dass Tempo entscheidend sei, um Kunden zu halten und Schadenersatzforderungen zu vermeiden.
Der Sachwalter Kälin plädiert jedoch für eine sofortige Konkurseröffnung, um Geldverschwendung zu verhindern. Das Gericht ist noch nicht über die Entscheidung informiert.