Die Zukunft der Swiss am Flughafen Genf-Cointrin steht auf dem Spiel, da die Lufthansa-Gruppe ihre Geduld verliert. “Wir wollen rasch Wirkung sehen”, äußerte sich die Airline zu den aktuellen Herausforderungen. Obwohl sie mit dem Schweizerkreuz das Ziel verfolgt, für ganz Schweiz die führende Fluggesellschaft zu sein, ist die Swiss vor allem in Zürich präsent und bedient von dort aus 95 Destinationen weltweit mit einem Marktanteil von über 50 Prozent.
Die Situation an den anderen großen Schweizer Flughäfen ist stark unterschiedlich: Basel-Mülhausen wurde bereits vor elf Jahren verlassen, sodass Genf-Cointrin als zweiter Standort der Swiss bleibt. Dort läuft es jedoch nicht nach Plan. Recherchen belegen, dass das Angebot unter Druck steht und die Lufthansa-Verantwortlichen mit dem größten Flughafen in der Romandie unzufrieden sind. Bis Ende des Jahres soll Genf profitabel werden; ansonsten könnten drastische Maßnahmen oder ein vollständiger Rückzug diskutiert werden.
Auf Nachfrage antwortet die Medienstelle ausweichend: “Genf bleibt wichtig, aber wir müssen es wirtschaftlich stärken.” Die Airline arbeitet an der Stabilisierung des Standorts durch Anpassungen im Angebot und Kostensenkung. Während die Swiss in ihrer Geschichte nur einmal 2019 vor der Pandemie in Genf profitabel war, gibt sie sich schmallippig zu diesen Erfolgen.
Der Hauptkonkurrent in Genf ist Easy Jet mit einem Marktanteil von 46 Prozent gegenüber 12,5 Prozent für die Swiss. Die Konkurrenz auf Kurz- und Mittelstrecken ist hart: “Wir agieren in einem der härtesten europäischen Märkte”, so die Airline.
Die Swiss hat bereits das Angebot in Genf um 25 Prozent bis Sommer 2026 reduziert, mit dem Ziel, sich auf besonders ertragsstarke Verbindungen zu konzentrieren. Dennoch spielt Genf eine strategische Rolle für die Beladung der Langstreckenflüge ab Zürich.
Die Vergangenheit zeigt, dass Genf unter Swissair einst mehr war als nur ein Zubringer. Der heutige Druck auf die Profitabilität spiegelt sich auch in der gesamten Lufthansa-Gruppe wider, wo die Betriebsgewinne 2025 um über 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgingen. Die Swiss hat daher Sparmaßnahmen angekündigt.
Ein Rückzug könnte Easy Jet stärken und symbolisch bedeutsam sein, da es den Verlust der Romandie für die Swiss markieren würde. Thomas Bohn von der GGBA betont jedoch die strategische Bedeutung der Swiss für Geschäftsreisen in Genf. Die Airline selbst sieht Genf als wichtige Drehscheibe aus politischer und wirtschaftlicher Sicht, erkennt aber das Bedürfnis nach einem langfristig tragfähigen Modell an.