Huel bietet Nahrungsmittel für Menschen, die entweder keine Zeit oder keinen Willen zum Essen haben. Bei einer Verkostung beschrieb ein renommierter Koch die Produkte von Huel als ähnlich “pulverisierte Frühstücksflocken mit Wasser verdünnt” – akzeptabel, aber nicht überzeugend. Ein anderes Produkt verglich er gar mit gemahlener Kreide und riet davon ab, es zu probieren. Auch die veganen Spaghetti Carbonara zum Anrühren wurden von ihm nicht getestet.
Diese Kommentare, gesammelt von der Agentur Bloomberg beim Michelin-Küchenchef Richard Corrigan, werden für Julian Hearn, den Gründer von Huel, nun irrelevant sein. Der 54-jährige Briten verkaufte diese Woche seine Firma für Trink- und Fertigmahlzeiten an den Nahrungsmittelriese Danone – zu einem geschätzten Preis von rund einer Milliarde Euro. Etwa die Hälfte des Erlöses dürfte Hearn selbst erhalten, der Rest verteilt sich auf andere Investoren.
Dieser Verkauf ist ein beachtlicher Erfolg für jemanden, der in jungen Jahren mit 16 die Schule verlassen hatte “wegen schlechter Noten und praktisch ohne Qualifikationen”, wie er selbst schreibt. Er musste sich als Hilfsarbeiter durchschlagen, bevor er seinen beruflichen Weg fand. Nach zwei Jahren im Bauhandwerk holte Hearn ein Hochschulstudium nach, machte einen Abschluss in Marketing und arbeitete danach für Unternehmen wie Starbucks oder Tesco.
Im Alter von 36 gründete er seine erste Firma, Mash up Media, die er drei Jahre später verkaufte. Anstatt sich zur Ruhe zu setzen, startete Hearn ein neues Projekt: eine vollwertige Mahlzeit in flüssiger und pulverförmiger Form – ideal für Menschen mit wenig Zeit zum Kochen. Diese Produkte enthalten alle notwendigen Nährstoffe wie Vitamine, Mineralien, Proteine und Kohlenhydrate. Die Basis bildet unter anderem Hafer, Leinsamen, Reis oder Erbsen, wobei alle Angebote vegan sind.
Hearn nutzt seine Marketingkompetenz, um seinen Kunden neben einer schnellen Mahlzeit auch das Gefühl zu geben, etwas für den Planeten zu tun. Weniger positiv ist die Tatsache, dass es sich um hochverarbeitete Lebensmittel handelt. Die “Hueligans”, wie die Fans der Marke genannt werden, kaufen hauptsächlich über den Web-Shop ein, doch zunehmend findet man die Produkte auch im Supermarktregal. Der Umsatz liegt bei rund 260 Millionen Franken.
In einem Video erklärt Hearn, dass er selbst etwa zehn Mahlzeiten pro Woche in Form von Huel zu sich nimmt. Mit dem Verkauf hat er nun mehr Zeit für herkömmliche Mahlzeiten – und vielleicht auch nach Abwechslung. Die offizielle Website räumt ein: “Das Konsumieren von Trinkmahlzeiten kann eintönig werden, da Geschmack und Konsistenz nicht variieren.”