Sportliche Attribute wie Disziplin, Leistungsorientierung und Ehrgeiz sind nicht nur in der Sportwelt gefragt, sondern auch in der Arbeitswelt. Spitzensportler beeindrucken durch ihre Ausdauer, ihren Kampfgeist und ihr Zielstreben. Diese Eigenschaften machen sie zu Vorbildern für Geschäftsführer, die sich wünschen, ihre Mitarbeitenden hätten ähnliche Qualitäten. Ein Blick auf Spitzensportler zeigt, dass jahrelanges Training und Wettkampferfahrungen ein «Athlete Mindset» schaffen: eine Haltung, die Disziplin, Zielstrebigkeit, Investitionsbereitschaft sowie die Fähigkeit umfasst, Rückschläge zu verkraften und Kritik zu meistern. Diese Haltung lässt sich laut Beni Huggel, einem ehemaligen Fussballprofi und Mitgründer eines Unternehmens, das Spitzensportler an Firmen vermittelt, sehr gut auf den Beruf übertragen. Während der Anteil von Spitzensportlern in der Bevölkerung gering ist, gehört die Schweiz zu den sportlichsten Nationen Europas: Über die Hälfte der Menschen betreibt pro Woche mindestens drei Stunden Sport. Die beliebtesten Aktivitäten sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Skifahren und Joggen. Diese werden hauptsächlich zur Erhaltung von Gesundheit und Fitness sowie aus Freude an Bewegung ausgeübt. Unternehmen profitieren dennoch von der Einstellung sportlicher Menschen. Ein Manager berichtete: «Sport treibende Personen sind aufgestellter, motivierter und erholen sich besser.» Ein Physiker erwähnte, dass regelmässiger Sport ihn ausgeglichener macht und ihm beim Joggen oft neue Ideen bringt. Eigene Erfahrungen bestätigen dies: Beim Joggen werden plötzlich Zusammenhänge klarer. Beim Orientierungslauf sind schnelle Entscheidungen unter Druck gefragt, was auch im Beruf nützlich ist. Teamsportler müssen sich ständig anpassen und zeigen Agilität, eine wertvolle Eigenschaft in der heutigen Arbeitswelt. Studien belegen, dass Freizeitsportler zufriedener arbeiten, seltener krank sind und ihre Produktivität höher einschätzen. Doch bei Rekrutierungen spielt Sportlichkeit nach Angaben von Jasmin Brugger, Teamleiterin der Rekrutierung eines Unternehmens, keine Rolle. Wichtiger seien Kompetenzen und Persönlichkeit. Sportliche Aktivitäten könnten jedoch auf hohe Belastbarkeit hinweisen. Wenn Bewerbende keinen Sport treiben, fragt Brugger nach Erholungsstrategien. Beides – persönliche Strategien oder sportliche Betätigung – kann überzeugen. Auch ausserberufliches Engagement wie das Leiten eines Jugendlagers wird positiv gewertet und signalisiert Einsatzbereitschaft. Am Ende zählt die Einsicht, dass sich Anstrengung lohnt. In einer Zeit, in der Maschinen immer mehr Aufgaben übernehmen, sollten wir uns regelmässig sportlich fordern. Denn der Glückszustand nach einer Anstrengung ist unbezahlbar.