In der Schweiz wird die Bühne für Sommeraufführungen in diesem Jahr von einem düsteren Schleier überzogen. Zwei renommierte Freilichttheater verkündeten das Ende ihrer Aktivitäten: das Gurten-Theater auf dem Berner Hausberg und die Moosegg-Freilichtspiele im Emmental. Beide Kulturstätten beenden nach der diesjährigen Saison ihre Vorstellungen endgültig.
Die Freilichtspiele auf der Moosegg bei Lauperswil BE, die seit drei Jahrzehnten jährlich auf einer Waldlichtung mit Aussicht auf die Emmentaler Hügel stattfinden, bieten Musicals, Komödien und Stücke wie Gotthelfs Werke. Der künstlerische Leiter Simon Burkhalter bemerkt jedoch eine Veränderung im Publikum: “Das Publikum wählt heutzutage bewusster Theaterstücke aus und bevorzugt Aufführungen in der Nähe des öffentlichen Verkehrs, anstatt auf einem Berg.” Auch die Finanzierung habe sich verschlechtert. Burkhalter konnte keine Nachfolge finden, da es schwierig sei, im Emmental jemanden zu finden, der den grossen Aufwand fortsetzen möchte.
Livia Anne Richard, Gründerin des Freilichttheaters auf dem Gurten, bestätigt ebenfalls die Schwierigkeit, eine Nachfolge zu finden. “Trotz guter Auslastung in den letzten Jahren und aktuell noch vorhandenen Budgets hat sich niemand gefunden, der den Bedürfnissen eines gesellschaftlich relevanten Publikums entspricht”, erklärt sie. Der Wettbewerb um Fördermittel habe zugenommen, wobei viele Privatfirmen ihr Sponsoring reduzieren.
Theaterforscherin Yvonne Schmidt von der Hochschule der Künste Bern stellt fest, dass dies nicht nur bei Freilichttheatern beobachtet wird. “Die Abnahme des kulturellen Konsums ist allgemein spürbar”, sagt sie. Freilichttheater seien eine Form der Generationenverbindung und besonders in ländlichen Gebieten identitätsstiftend.
Für Simon Burkhalter ist es nun an der Zeit, das Kapitel Moosegg-Freilichtspiele zu schliessen. “Das Publikum ist noch da, aber das Budget könnte sich ändern”, gibt er zu bedenken. Regionaljournal Bern Freiburg Wallis berichtet am 23.3.2026 um 17:30 Uhr.