Trotz zahlreicher kontroverser Themen haben die Wählerinnen und Wähler von Lausanne dem aktuellen Stadtrat ihr Vertrauen ausgesprochen. Die FDP erreichte nicht ihren gewünschten zweiten Sitz im Rat. Beim zweiten Wahlgang am Sonntag sicherte sich die linke Allianz erneut sechs der sieben verfügbaren Sitze, wobei Pierre-Antoine Hildbrand von der FDP für einen weiteren Amtszeit gewählt wurde und 48 Prozent der Stimmen auf Platz 6 erreichte. Mathilde Maillard von der FDP, die im ersten Wahlgang an 8. Stelle lag, schaffte es nicht in den Stadtrat. Die Wahlbeteiligung betrug 34,6 Prozent.
Die FDP Lausanne äußerte sich enttäuscht über das Ergebnis, sah aber darin ein klares Zeichen für veränderte politische Fronten. Im Vergleich zu den Wahlen 2021 stellte die Partei eine Verbesserung ihrer Resultate fest. Anouck Saugy, Vizepräsidentin der FDP Lausanne, betonte, dass ihre Partei Menschen zusammenführen und überzeugen könne.
Die linke Allianz wird von Emilie Moeschler (SP) geführt, gefolgt von Xavier Company (Grüne), Grégoire Junod (SP), Natacha Litzistorf (Grüne) sowie den neu gewählten Stadträten Julien Eggenberger (SP) und Xavier Roth (POP). Sarah Neumann, Präsidentin der SP Lausanne, freute sich über das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die linke Politik, welche auch die Interessen der Schwächsten berücksichtige.
In Lausanne stehen mehrere brisante Themen im Raum. Baustellen wie die unterirdischen Parkplätze am Riponne-Platz oder das neue Tramprojekt sorgen für Lärm und Unmut. Der Drogenkonsumraum am Riponne-Platz und der damit verbundene Straßenhandel sind ebenfalls umstritten; die Stadtregierung setzte auf Subventionen und strengere Zugangsvoraussetzungen.
Die FDP kritisierte im Wahlkampf das Sicherheitsproblem und forderte eine Nulltoleranzpolitik gegen Drogenhandel sowie verstärkte Polizeipräsenz. Zudem sollte der Drogenkonsumraum verlegt werden. Auch die Krise bei der Polizei, geprägt von Sexismus- und Rassismusvorwürfen, erfordert laut Experten eine grundlegende Reform.
Politisch polarisiert wird zwischen den Linken, die das Zusammenleben und den öffentlichen Dienst betonen, und dem rechten Lager, das Sicherheitsmängel kritisiert und Steuersenkungen fordert. Während die Linke sanfte Mobilität fördern will, setzt die Rechte auf verbesserte Autobesuche im Stadtzentrum.
Das neue Kräfteverhältnis im Stadtparlament sieht eine Spaltung von 60 zu 40 Sitzen zugunsten der Linken. Die Grünen verloren neun Sitze und wurden von FDP (23 Sitze, +2) und Ensemble à Gauche (19, +6) überholt. SVP und die Allianz der Grünliberalen plus Mitte verbesserten sich ebenfalls. Trotz Verlusten bleibt die SP mit 26 Sitzen stärkste Kraft im Parlament.