Zu Beginn des Wahlsonntags wurde eine Allianz aus SVP, FDP und Mitte mit dem Vorhaben eines «Grossangriffs» in Verbindung gebracht. Doch am Ende profitierten vor allem zwei bürgerliche Parteien erheblich von den Resultaten.
Im Laufe des Nachmittags im Berner Rathaus wurden die Analysen der Politologen präziser. Zuerst wurde noch ein möglicher «Rechtsrutsch» diskutiert, später jedoch als deutlich bestätigt bezeichnet.
Die SVP erzielte bei den Wahlen für das Kantonsparlament Ergebnisse, die ihre Erwartungen sogar übertrafen: Nach Hochrechnungen des Instituts GfS Bern dürfte sie 52 von 160 Sitzen im Grossratssaal erhalten. Leichte Zugewinne verzeichneten ebenfalls Sozialdemokraten und Freisinnige, während GLP deutliche Verluste hinnehmen musste. Auch die Mitte büßt Mandate ein.
Die Wahlen zur Berner Regierung zielten darauf ab, die Mehrheit der bürgerlichen Kräfte zu festigen oder auszubauen. Im Vorfeld wurde in den Medien von einem «Grossangriff» berichtet. Am Ende konnte eine Verteidigung der Mehrheit gelingen, ein Sitzgewinn zugunsten der Bürgerlichen gegenüber der SP blieb jedoch aus.
Die Berner Wahlen spiegeln einen landesweiten Trend wider: Polparteien wie die SVP und SP erzielen Gewinne. Die Verluste der Mitte-Partei könnten den Beginn eines neuen Trends markieren, hoffen zumindest Freisinnige.
Drei Berner Regierungsräte traten nicht mehr an; sowohl Linke als auch Bürgerliche versuchten, die Mehrheitsverhältnisse zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Die bürgerliche Allianz trat mit einer Fünferliste an, während Sozialdemokraten und Grüne Aline Trede unter anderem aufstellten, um das Kräfteverhältnis zu verschieben.
Das Rennen um die letzte Regierungsratssitze blieb lange offen. Zwischen dem Sozialdemokraten Reto Müller und dem SVP-Politiker Daniel Bichsel zeigte sich ein knappes Duell, das Müller für sich entschied. Die Mehrheitsverhältnisse bleiben mit vier bürgerlichen zu drei linken Regierungsräten unverändert. Der Ausschlag kam aus bevölkerungsreichen Mittellandstädten.
Aline Trede verteidigte ihren Sitz im Regierungsrat und wird als Nationalrätin zurücktreten, was die Grünen auf Bundesebene schwächt. Sie verlieren eine wichtige Stimme und ein Aushängeschild, besonders nachdem der grüne Zürcher Balthasar Glättli ebenfalls in den Rücktritt gegangen ist.
Hochrechnungen prognostizierten deutliche Zugewinne für die SVP sowie einige für die EDU. Die SP konnte sich im linken Spektrum wieder leicht erholen. Der Berner Politologe Adrian Vatter sprach von einer «kleinen Überraschung» bezüglich des Ausmaßes der Verschiebungen.
Die Mitte-Partei, trotz Astrid Bärtschi als bestgewählter Regierungsrätin, musste im Grossrat Verluste hinnehmen. Die FDP verlor fast ein Prozent an Wähleranteilen, muss laut Hochrechnung jedoch keinen Sitz abgeben und könnte sogar einen gewinnen.
Die langfristige Position der Mitte-Partei in Bern bleibt fraglich; nach ihrer Fusion mit der BDP gilt sie als eher unpassend. Die Zukunft zeigt nun, ob die Verluste spezifisch für den Kanton Bern sind oder die positive Dynamik nach dem Rebranding im Allgemeinen verpufft.