Die Schweizer Pharmabranche steht vor einem potenziellen Rückgang der Beschäftigungszahlen, ähnlich wie die Bankbranche. Die Anzahl der Arbeitnehmer in diesem Sektor stagniert seit einiger Zeit und könnte in naher Zukunft weiter sinken, so Experten. Jörg-Michael Rupp, Präsident von Interpharma, betonte auf dem Tag der pharmazeutischen Industrie im Zürcher Marriott-Hotel vor rund 200 Führungskräften, dass die Branche etwa 50 000 Arbeitsplätze unterstützt. Tatsächlich waren laut Bundesamt für Statistik Ende 2025 jedoch nur 48 600 Personen beschäftigt. Seit 2022 hat sich die Beschäftigung stabilisiert, nach einem Anstieg seit der Jahrtausendwende.
Die Marktsituation wird zunehmend schwieriger, was es erschwert, Arbeitsplatzverluste bei einzelnen Firmen durch neue Stellen bei anderen auszugleichen. Fachspezialisten und Führungskräfte haben bereits mit wenigen offenen Positionen zu kämpfen. Ein Kommunikationsspezialist berichtete von Kontakten zu Arbeitssuchenden, die nach Unternehmensumstrukturierungen bei Großkonzernen wie Roche oder Novartis entbehrlich wurden. Diese Personen haben oft unrealistische Gehaltsvorstellungen und ähnliche Schwierigkeiten wie ehemalige Angestellte von Banken und Versicherern.
Während der Pandemie profitierte die Pharmabranche noch stark, doch mit dem Krieg in der Ukraine verlagerten Staaten ihre Prioritäten hin zu Rüstungsausgaben. Dies zusammen mit schwacher Wirtschaftsentwicklung und Inflation verringerte die Kaufkraft von Patienten. Die Rückkehr Donald Trumps ins Weiße Haus verschärfte den Druck, da er durch Zollandrohungen Milliardeninvestitionen in US-Fabriken erzwang und forderte, dass Medikamentenhersteller ihre Produkte nicht mehr zu höheren Preisen in Amerika anbieten. Dies gefährdet die Rentabilität des lukrativsten Marktes der Pharmaindustrie.
Trotz Hoffnung auf Kompensation durch Preiserhöhungen in Europa und anderen Märkten, droht der Branche ein Umsatzrückgang von bis zu 300 Milliarden Dollar bis 2030 durch patentfreie Medikamente. Unternehmen wie Pfizer, Takeda oder Bristol Myers Squibb haben bereits weltweit Stellen abgebaut: Bei den 17 größten Herstellern wurden seit 2025 über 22 000 Arbeitsplätze gestrichen.
In der Schweiz hat Pfizer seit Mitte 2024 rund 170 Stellen in Zürich und Zug reduziert. CSL kündigte einen globalen Abbau von bis zu 15 Prozent an, was den Verlust von 340 Jobs in Bern zur Folge hatte. Idorsia strich 200 Arbeitsplätze in Allschwil. Novartis plant den Abbau von 550 Stellen in Stein und verzeichnete bereits einen Rückgang der Beschäftigtenzahlen auf 9800 im Jahr 2025.
Johnson & Johnson wird dieses Jahr 300 Stellen in Bern streichen, während Merck und Co. (MSD) weltweit 6000 Stellen abbaut, ohne Details zur Schweiz zu geben. Takeda kündigte erneute Kostenkürzungen an, die auf einen Abbau von 120 Arbeitsplätzen in Opfikon folgten.
Pierre Derivaz, Rechtsanwalt bei Angestellte Schweiz, rät betroffenen Arbeitnehmern zur Mobilität. Während Fachspezialisten weiterhin Chancen haben, sind Stellen im Marketing und Verwaltung stark gefährdet.