Die Solarinitiative des Bundes auf dem Nationalstrassennetz ist ins Stocken geraten. Nur wenige Tage vor den Fristabläufen zeigt sich, dass die meisten geplanten Anlagen nicht rechtzeitig realisiert werden können. Bereits im Jahr 2022 hatte Bundesrätin Simonetta Sommaruga den Plan gefasst, Abschnitte der Nationalstrassen für Solarenergie zu nutzen. Der Bund stellte daraufhin 450 Flächen unentgeltlich zur Verfügung: 350 Lärmschutzwände und 100 Rastplätze. Nach einer Ausschreibung wurden die Anlagen in 14 Lose aufgeteilt, welche zusammen ein Potenzial von etwa 140 Gigawattstunden pro Jahr eröffnen – vergleichbar mit dem Jahresverbrauch von rund 38.000 Haushalten. Vier Jahre später steht die ambitionierte Solaroffensive jedoch vor einem Stillstand. Ähnlich wie beim Solarexpress droht auch hier ein Fehlschlag: In den kommenden Monaten laufen die Fristen ab, doch keine Anlage ist in Betrieb oder im Bau – bestätigt das Bundesamt für Strassen (Astra) auf Anfrage der NZZ. Lediglich drei Projekte haben Baubewilligungen erhalten, befinden sich jedoch noch nicht im Bau. Die Astra-Sprecherin Martina Wirth gibt zu bedenken: «Die Umsetzung ist anspruchsvoller als erwartet». Man muss davon ausgehen, dass viele Projekte die ursprünglich vorgesehenen Fristen nicht einhalten können. Energie360°, ein Unternehmen das sich für den Betrieb entlang der Autobahn beworben hatte, zieht seine Pläne zurück. Der Sprecher Michael Walser erklärt: «Der bauliche Aufwand ist deutlich höher als bei Dachanlagen und treibt die Kosten in die Höhe». Zudem hat sich das Marktumfeld verschlechtert; nach anfänglich hohen Strompreisen sind diese gefallen, was die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen beeinträchtigt. Das Astra setzt darauf, dass zumindest einige Projekte doch noch realisiert werden. «Wir kontaktieren betroffene Unternehmen, um den Projektstand zu klären und eine Fristverlängerung in Erwägung zu ziehen», sagt Wirth. Rhiienergie hat um eine Verlängerung für Lärmschutzwände an der A13 in Graubünden ersucht. Der Geschäftsführer Christian Capaul erklärt, dass die Komplexität der Installation höher als erwartet sei. Die technischen Herausforderungen treiben die Kosten hoch und machen den Verkauf des Stroms ins Netz unwirtschaftlich bei den aktuell niedrigen Preisen. Abnehmer sind schwer zu finden; laut Gesetz dürfen nur grosse Unternehmen beliefert werden, die selbst günstigere Tarife am Markt beziehen. Mehrere Branchenvertreter fordern eine direkte Stromabnahme durch das Astra für Anwendungen wie Tunnelbelüftung oder Beleuchtung. «Dadurch wäre der Strom kostengünstig», sagt Capaul von Rhiienergie. Auch Noah Heynen, CEO von Helion, betont, dass ohne Anpassung der Förderprogramme oder Abschluss von Stromabnahmeverträgen (PPA) die Solarprojekte nicht rentabel seien. Thomas Nordmann von TNC Consulting fordert: «Der Bund sollte seine Vorbildfunktion bei den Erneuerbaren Energien wahrnehmen und den an Autobahnen produzierten Strom selbst abnehmen». Dies würde dem neuen Energiegesetz, welches vorsieht, dass bis 2030 solche Flächen mit Solaranlagen ausgestattet werden, gerecht werden. Trotzdem will das Astra nichts von diesen Forderungen wissen. Martina Wirth betont, dass man den Ausbau eigener Photovoltaikanlagen vorantreibe und diese für die Infrastruktur nutze. Um das Autobahn-Solarprogramm zu retten, wird der Bund wohl stärker eingreifen müssen – sowohl als Eigentümer wie auch als möglicher Abnehmer des Stroms. Andernfalls droht ein weiteres energiepolitisches Vorhaben mit mangelnder Umsetzung.