Lisa Ricci und Tommaso Goldhirsch haben jahrelang eine scheinbar perfekte akademische Laufbahn eingeschlagen. Nach zehn Jahren Mathematikstudium an der ETH in Zürich, inklusive Promotion im Bereich Geometrie, hat Lisa sich nun einem völlig neuen Feld zugewandt: der Gastronomie. Ihre aktuelle Herausforderung besteht nicht mehr in mathematischen Theoremen, sondern darin, die Kunst des Choux-Teigs zu meistern. Ihr Partner Tommaso Goldhirsch unterstützt sie dabei, indem er das Gemüse vorbereitet.
Ihr gemeinsamer Weg führte von der Universität über die Fermentationstechniken in Japan bis zur Gründung ihres Gastroprojekts “Wiedikoji”. Dieses fusioniert Elemente aus dem Zürcher Stadtteil Wiedikon und dem japanischen Wort für Schimmelpilz, welches in der Herstellung fermentierter Speisen eine Rolle spielt.
Die beiden kochen regelmäßig für zwanzig Personen und bieten ein vielfältiges Menü an, das von Kartoffeln mit Blaukäse bis hin zu Mais mit Misopaste reicht. Ihr Konzept hat Anklang gefunden, vor allem unter Expats in Zürich. Ricci und Goldhirsch nutzen ihre mathematischen Fähigkeiten auch im kulinarischen Bereich: Geduld, Präzision und Struktur sind essenziell bei der Fermentation von Cherrytomaten.
Obwohl sie sich von einem akademischen Karriereweg verabschiedet haben, nutzen sie ihr ETH-Studium als Sicherheitsnetz. Stefan Wolter, Professor für Bildungsökonomie an der Universität Bern, diskutiert die Thematik der Überqualifikation und vergleicht das Bildungssystem mit einem Generationenvertrag.
Ricci und Goldhirsch sind sich bewusst, dass sie ihre akademischen Fähigkeiten nicht direkt in ihrem neuen Berufsfeld nutzen, sehen jedoch den Wert ihrer Ausbildung im geschäftlichen Erfolg ihres Gastroprojekts. Ihre mathematischen Kenntnisse haben ihnen die Präzision und Geduld vermittelt, die sie nun erfolgreich anwenden.