Die wirtschaftliche Stagnation und steigende Lebenshaltungskosten führen in Ungarn zu Unzufriedenheit mit Viktor Orban, während sein Herausforderer Peter Magyar an Boden gewinnt. Das BYD-Werk bei Szeged sollte die größte Autofabrik des Landes werden, doch der Start ist immer wieder verschoben. Eine Investigativplattform zeigte Videoaufnahmen von halbfertigen Fahrzeugen auf dem Gelände, die de- und remontiert wurden, um sie für eine spätere Montage vorzubereiten.
Die Verzögerungen könnten laut Kritikern mit den hohen Subventionen zusammenhängen. BYD gibt an, dass alles planmäßig verlaufe, Experten erwarten jedoch erst im zweiten Halbjahr einen reduzierten Produktionsbeginn. Das Werk symbolisiert Ungarns wirtschaftliche Stagnation in den letzten Jahren. Orban hatte wiederholt auf eine baldige Konjunkturbelebung gesetzt, doch das Wachstum blieb bei einem Plus von nur 0,4 Prozent.
Prognosen des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) deuten darauf hin, dass Ungarn zwar kurzfristig stärker wachsen wird, aber bis 2028 unter 3 Prozent bleibt. Die Glaubwürdigkeit der Regierung hat gelitten. Vor den Wahlen versuchte Orbans Regierung mit großzügigen Maßnahmen die Inflation zu bekämpfen – wie Steuerfreiheit für unter 25-Jährige und eine zusätzliche Monatsrente für Pensionierte.
Trotz Beruhigung der Lage ist Ungarn im regionalen Vergleich zurückgefallen. Das GKI-Wirtschaftsforschungsinstitut verzeichnet ein niedriges Konsumentenvertrauen, während Umfragen zeigen, dass viele das Land in die falsche Richtung entwickelt sehen. Peter Magyar nutzt diese Unzufriedenheit im Wahlkampf und wirft Orban Korruption sowie wirtschaftliche Rückständigkeit vor.
Früher brachten Orbanomics solide Wachstumsraten, doch aktuell setzt die Regierung auf chinesische Investitionen und Elektromobilität. Die BYD-Fabrik ist ein Beispiel für diese Strategie, bringt jedoch auch Probleme mit sich: Berichte über sklavenähnliche Arbeitsbedingungen und Umweltprobleme bei einem Samsung-Werk haben Empörung ausgelöst.
Kritiker bemängeln die Abhängigkeit von der Automobilindustrie und die Rolle Ungarns als “verlängerte Werkbank”, was wenig Wertschöpfung bringt. Ökonomen wie Sandor Richter fordern Investitionen in Forschung und Unternehmensgründungen, um das Land weiterzuentwickeln.
Die wirtschaftlichen Herausforderungen werden durch rechtsstaatliche Defizite verschärft, was der EU-Unterstützung entgegenwirkt. Vor den Wahlen griff Orban in die Staatskasse ein, um kurzfristige Maßnahmen zu finanzieren – wie eine zusätzliche Monatsrente und Steuererleichterungen für Familien. Unabhängig vom Wahlausgang wird die zukünftige Regierung voraussichtlich Sparmaßnahmen ergreifen müssen.