Die SVP setzt ihre Erfolgssträhne bei den jüngsten Kantons-Wahlen in Bern fort und erweitert damit ihren Vorsprung gegenüber anderen Bundesratsparteien. Zum ersten Mal verfügt sie über mehr als 600 Sitze in kantonalen Parlamenten, insgesamt nun 604. Der Wähleranteil der SVP im Kanton stieg um 3,5 Prozentpunkte auf 29,3 Prozent, ein Anstieg, den nur wenige vorhergesehen hatten. Die Partei nähert sich damit ihrem Höchststand Ende der 1990er Jahre wieder an.
Neben der SVP konnten auch die Sozialdemokraten im Kanton Bern gewinnen, was einen landesweiten Trend bestätigt: Während SVP und SP zulegen, verlieren andere Parteien. Die größten Einbußen mussten die Grünen hinnehmen; FDP und Grünliberale verzeichnen ebenfalls markante Rückgänge. Das Zentrum hält sich vergleichsweise am besten, hat aber dennoch vier Mandate eingebüßt.
Die Wahlen im Kanton Bern zeigen einen Rechtsrutsch, da die EDU zwei Sitze dazugewinnt. Experten spekulieren bereits, dass die SVP bei den Nationalratswahlen 2027 erstmals die 30-Prozent-Marke überschreiten könnte. Seit ihrem Hochpunkt von 29,4 Prozent im Jahr 2015 hat sie sich wieder erholt und erreichte zuletzt 27,9 Prozent. Eine Niederlage musste die SVP bei der Halbierungsinitiative einstecken, doch bei kantonalen Wahlen sind ihre Erfolge ungebrochen.
Die bevorstehenden Abstimmungen über Zuwanderung und Neutralität werden entscheidend für das weitere Schicksal der Partei sein. Gleichzeitig könnte die Europapolitik während des Wahlkampfs 2027 eine Rolle spielen, da die Verhandlungen mit der EU vermutlich bis in den Wahlkampf hineinreichen.
Für FDP und Mitte ist diese Zeit besonders herausfordernd; beide Parteien liefern sich einen Zweikampf um Einfluss im Zentrum der politischen Landschaft. Die Ergebnisse der letzten Wahlen sind ernüchternd, insbesondere für die FDP, während die Mitte ebenfalls Rückschläge erlitt.
Am linken Pol sieht es so aus, als ob das rot-grüne Lager gleich groß bleiben wird, wobei die SP zulegen dürfte, während die Grünen weiter abgebaut haben. Die Grünliberalen konnten sich nur in wenigen Kantonen stabilisieren.
Bis zu den Nationalratswahlen 2027 stehen noch zwölf kantonale Wahlen an, darunter Glarus und Graubünden im Juni sowie Zug und Freiburg im Herbst. Diese bieten die Möglichkeit für Parteien, ihre Positionen neu zu justieren.