Lo & Leduc zählen seit ihrem Hit «079» zu den führenden Mundart-Künstlern der Schweiz. Mit dem neuen Album «Krise als Chanson» zeigen sie eine deutlich stärkere politische Ausrichtung. Ein Gespräch gibt Aufschluss über ihre Motivation.
Lorenz Häberli und Luc Oggier, die Musiker hinter Lo & Leduc, haben ihr neues Werk «Krise als Chanson» benannt. Dieser Titel ist eine Anspielung darauf, dass in jeder Krise auch Chancen stecken können, fragt man.
Häberli betont, dass das Sprichwort die Krise normalisiert. Ihr Album zielt darauf ab, Krisen anzuerkennen und sie zu benennen. Oggier erläutert, wie das Chanson als Textzentrierte Liedform oft politische Themen verarbeitet. Der Albumtitel war von Anfang an prägend für die Songauswahl.
In ihrem neuen Werk thematisieren sie Krieg und Leid. Häberli weist darauf hin, dass es darum gehe, Krisen auszuhalten und gesund damit umzugehen, ohne sie durch Musik zu konsumierbarer machen. Oggier betont die Unerträglichkeit des Krieges.
Die Frage nach der Konsumierbarkeit von Krisenthemen wird aufgeworfen: Häberli beschreibt es so, dass sich die Auseinandersetzung mit den Themen im Hören erschöpft. Oggier erläutert, wie «Safe», ein Lied über hohe Krankenkassenprämien und als Parodie eines Latin-Pop-Songs erklingend, Eskapismusmomente auf dem Album darstellt.
Das politischere Werk symbolisiert sich in Lieder wie «Loyalty x Many Men», das Ängste, emotionale Verhärtung, Propaganda und weitere gesellschaftliche Themen behandelt. Oggier erklärt, dass sie bewusst nach Überforderung suchten und die Themen gleichzeitig ansprechen, da sie auch gemeinsam auftreten.
Eine Textzeile im Lied lautet: «Mini Ching schicki nid i Chrieg. Das wirde ig nid verschulde. Das hei sie nid verdient.» Häberli stellt klar, dass kein Land sich selbst verteidigt, sondern Menschen für den Staat sterben.
Häberli äußert Vorhersagen, dass das Lied wegen seiner politischen Themen und ungewöhnlichen Struktur kaum im Radio gespielt werden wird. Oggier merkt an, dass Mundart direkt polarisiert und nicht dem Ziel von Radiomusik entspricht.
Frühere Erfolge wie «079» waren unverfänglicher Pop, doch das Album «Luft» wurde kritisiert, weil es den Ukraine-Krieg nicht kommentierte. Häberli sieht im neuen Album keinen Kurswechsel und Oggier betont die Dringlichkeit der Themen.
Das Lied «Wie es ist» reflektiert über die politische Mitte: Häberli erinnert daran, dass Flucht vor Krieg heute nicht mehr selbstverständlich sei. Oggier verweist auf die Verschärfung der Asylpolitik in breiteren politischen Kreisen.
Obwohl sie sich links positionieren, sind sie bewusst, dass dies Fans verärgern könnte. Häberli glaubt jedoch, man müsse nicht mit allen künstlerischen Ansichten übereinstimmen.
Ihre persönlichen Haltungen sind weitgehend gleich, trotz individueller Unterschiede, so Oggier und Häberli. Die Öffentlichkeit habe sie dazu gebracht, transparenter zu werden, obwohl Unsicherheit bestehen bleibt.
Abschließend äußert Häberli, dass er das neue Album als State of the Art sieht, ohne es hierarchisch einordnen zu wollen. Oggier fragt sich, warum man aufhören sollte, wenn der Zenit doch vielleicht gar nicht existiert.