Unmittelbar nach seiner Amtseinführung hat der neue Regierungschef von Nepal, Balendra Shah, die Verhaftung des ehemaligen Ministerpräsidenten K.P. Oli angeordnet. Diese Entscheidung folgt auf Vorwürfe bezüglich der tödlichen Gewaltanwendung gegen Jugendproteste im September. In jenen Tagen hatten Polizeikräfte vor dem Parlament das Feuer eröffnet, was zur Erschießung von 19 Demonstranten führte und landesweite Unruhen auslöste, die schließlich Oli zum Rücktritt zwangen.
Nur wenige Stunden nach seiner Vereidigung veranlasste Shah die Festnahme Olis sowie des ehemaligen Innenministers Ramesh Lekhak. “Niemand steht über dem Gesetz”, betonte der neue Innenminister Sudan Gurung. “Dies ist kein Akt der Vergeltung, sondern der Beginn von Gerechtigkeit.” Nach den Ereignissen im September wurde rasch eine Untersuchungskommission eingesetzt; Oli und Lekhak sind nun die ersten Politiker, gegen die wegen der Tötungen ermittelt wird.
Ein vor Shahs Amtseinführung veröffentlichter Bericht empfahl die Verhaftung von Oli, Lekhak sowie des früheren Polizeichefs in Kathmandu, da sie nichts unternahmen, um die gewaltsamen Polizeieinsätze zu stoppen. Ein Polizeisprecher bestätigte am Samstag, dass die Festnahmen aufgrund der Empfehlungen des Berichts erfolgt seien.
Gegen Olis Verhaftung protestierten Anhänger seiner kommunistischen Partei in Kathmandu; dabei kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die neue Regierung ermittelt zudem gegen andere führende Oppositionspolitiker wegen des Verdachts auf Geldwäsche. Während der Septemberproteste wurden bei den Politikern große Bargeldmengen sichergestellt.
Die Proteste hatten ihren Ausgangspunkt im Verbot sozialer Netzwerke durch die damalige Regierung genommen, zielten jedoch auch auf Korruption und die Perspektivlosigkeit der Jugend ab. Trotz überwiegend friedlicher Demonstrationen eskalierte die Lage vor dem Parlament, als die Polizei das Feuer eröffnete. Wutbürger brannten daraufhin wichtige staatliche Gebäude sowie Parteizentralen nieder.
Die teilweise organisierten Ausschreitungen deuteten auf eine nicht vollständig spontane Gewalt hin; Vermutungen zufolge nutzten Gruppen wie Monarchisten die Unruhen für ihre Ziele. RSP-Anhänger sollen ebenfalls involviert gewesen sein, was dem Parteichef Rabi Lamichhane half, aus dem Gefängnis zu fliehen.
Trotz dieser Vorfälle erzielte Shahs Partei bei den vorgezogenen Wahlen am 5. März einen überwältigenden Sieg. Der ehemalige Rapper Balendra Shah setzte sich klar gegen Oli durch und repräsentiert nun eine neue Generation in der Politik Nepals, die von Korruptionsbekämpfung und Jobschaffung träumt. In einem vor seiner Vereidigung veröffentlichten Song rappte er: “Möge mir der Atem nicht ausgehen, ich werde rennen wie ein Leopard.”