Die Schweizer Konjunkturaussichten haben sich eingetrübt, und der Vergleich mit früheren Krisen wie Trumps Zollschock oder dem Ukraine-Krieg wirft Fragen auf. Der Iran-Konflikt hat im März das KOF-Konjunkturbarometer von 103,8 auf 96,1 Punkte fallen lassen – ein Wert unter dem mittelfristigen Durchschnitt. Dieses Barometer ist ein vorlaufender Indikator und deutet darauf hin, dass die Schweizer Wirtschaft in den kommenden Monaten eine Abkühlung erfahren könnte. Nach einem jüngsten Aufschwung kehrt nun Unsicherheit zurück, besonders mit Blick auf die langfristigen Auswirkungen des seit Ende Februar andauernden Iran-Konflikts.
Ein historischer Vergleich zeigt: Als US-Präsident Donald Trump im April 2025 Strafzölle ankündigte, fiel das KOF-Barometer ähnlich stark wie jetzt. Die Auswirkungen blieben jedoch begrenzt, da ein globaler Zollkrieg ausblieb und nur ein Teil der Schweizer Exporte betroffen war. Im selben Jahr wuchs das schweizerische Bruttoinlandprodukt (BIP) um 1,4 Prozent.
Der Ukraine-Konflikt im Februar 2022 führte zu einem deutlicheren und anhaltenderen Rückgang des Barometers. Infolgedessen verzeichnete die Schweiz nur unterdurchschnittliches Wirtschaftswachstum in jener Phase.
Die Dauer der Verwerfungen durch den Iran-Krieg bleibt ungewiss, ebenso wie die Stabilität von Erdöl- und Erdgaspreisen. Am Montag schwankte der Preis für Brent-Diesel weiter über 100 Dollar pro Fass. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hat Szenarien erstellt, um mögliche wirtschaftliche Auswirkungen bei länger andauerndem Konflikt zu analysieren. Im pessimistischen Szenario wird erwartet, dass die Preise bis Mitte 2026 hoch bleiben und danach nur langsam sinken. Dies könnte das Wachstum in energieintensiven Ländern wie Deutschland stark beeinträchtigen.
Die Schweiz würde über drei Kanäle betroffen sein: eine globale Nachfrageabschwächung, höhere Inflation im Inland und eine Aufwertung des Frankens. Im pessimistischen Szenario rechnet das Seco jedoch nicht mit einem Inflationsschub wie 2022 nach dem Ukraine-Krieg. Die Teuerungsrate könnte auf über 1 Prozent steigen, was immer noch moderater ist als die 3,5-Prozent-Höhepunkte von 2022. Auch wäre der Anstieg geringer als im Euro-Raum, da Erdöl und Erdgas in der Schweiz nur halb so viel wiegen.
Insgesamt erwartet das Seco, dass das schweizerische BIP im pessimistischen Szenario um 0,8 Prozent wächst – 0,2 Prozentpunkte weniger als die aktuelle Prognose von 1 Prozent. Ähnlich sieht es das KOF-Institut: Die Schweiz könnte zwar eine Rezession vermeiden, doch ein nur schwaches Wirtschaftswachstum im Jahr 2026 ist wahrscheinlich.