Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen zeigt sich in der Schweiz eine starke Bindung an demokratische Werte. Eine Studie im Auftrag der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) offenbart, dass über 90 Prozent der Stimmberechtigten eine demokratische Staatsform bevorzugen. Diese deutliche Zustimmung erstreckt sich quer durch alle Altersgruppen und Geschlechter, wobei die ältere Bevölkerungsgruppe ab 65 Jahren besonders fest zu ihren demokratischen Prinzipien steht. Junge Erwachsene zwischen 25 und 34 zeigen eine leicht schwächere Affinität zur Demokratie. Unter den Parteianhängern sind die Grünliberalen mit rund 96 Prozent als größte Befürworter der Demokratie hervorzuheben.
Obwohl die Mehrheit zufrieden ist, wie demokratische Prozesse in der Schweiz funktionieren, gibt es bei SVP-Anhängern Unmut; über ein Drittel dieser Gruppe zeigt sich unzufrieden. Auch Unterstützer linker Parteien äußern häufiger Kritik als Anhänger von GLP, FDP oder Mitte-Partei. Marc Bühlmann, Direktor der Année Politique Suisse, interpretiert eine geringere Wahlbeteiligung nicht unbedingt als Zeichen für Unzufriedenheit; zufriedene Bürger könnten sich entscheiden, nicht teilzunehmen, weil sie Vertrauen in das System haben. Andere mögen jedoch enttäuscht sein und glauben, ihre Stimme sei unwirksam.
Die Studie zeigt weiterhin, dass passive Wählerinnen und Wähler dennoch die Bedeutung von Abstimmungen anerkennen, was Bühlmann nicht verwundert. Solange sie zufrieden mit dem Ergebnis sind, sehen sie keinen unmittelbaren Handlungsbedarf, könnten jedoch einwirken, wenn nötig. Über 75 Prozent der Befragten haben keine Bedenken gegenüber der Schweizer Demokratie; rund ein Viertel äußert jedoch eine gewisse Demokratiemüdigkeit. Die SVP führt mit etwa 14 Prozent die Liste dieser Gruppe an, während auch FDP- und Grünen-Anhänger über zehn Prozent erreichen.
Marc Bühlmann von der Universität Bern sieht in diesem Kontext keine Gefahr für das demokratische System der Schweiz. Die Wahrscheinlichkeit einer Abschaffung der Demokratie sei nahezu null. Kritische Stimmen sind aus seiner Sicht normal und gesund; Bürger sollten ihre Meinungen äußern, doch die deutliche Mehrheit empfindet Abstimmungen und Wahlen als lohnenswert und lebt gerne in einer demokratischen Gesellschaft.