Ein Mann filmt mit seinem Handy laufend und hält einer Gruppe von Männern entgegen, die auf einem Trottoir stehen: «Schämt ihr euch nicht?», ruft er ihnen zu. Die Männer erscheinen überrascht, verbergen dann ihre Gesichter und flüchten. Der Filmer lässt sie jedoch nicht aus den Augen und fordert sie heraus: «Geht nicht weg! Warum rennt ihr weg? Wohin rennst du, Verräter?» Dies ereignete sich am Abend des 7. März in Lausanne, nur Tage nach dem Tod von Irans Oberstem Führer Ali Khamenei. Ein Treffen mit Anhängern des Regimes fand im Volkshaus statt, wo Gläubige zur Erinnerung zusammenkamen. Nach der Versammlung kam es am Zebrastreifen zu einem Zwischenfall: Der Filmer beschimpfte einen Teilnehmer als Verräter und verfluchte die Seelen von Khomeiny und Khamenei. Das Video verbreitete sich schnell in der iranischen Gemeinschaft. Die Identität des Filmenden bleibt unbekannt, jedoch sind die gefilmten Männer Arash Rezani und Eshraf Madani (Namen geändert). Sie gehören zu einem Netzwerk in der Schweiz, das mit dem Regime und den Revolutionswächtern verbunden ist – eine Gruppe, die auch Moscheen, Vereine und Firmen umfasst. Die Schweiz zieht Studierende aus Iran an. Die NZZ untersucht, was dieses Netzwerk bezweckt und wie gefährlich es sein könnte. Ein Fokus liegt auf einem Wohnblock in Lausanne nahe der EPFL, wo Rezani gemeldet ist. Er hat einen Doktortitel von der EPFL und arbeitet nun im Bereich Mikrotechnologie. Auf Telegram zeigt er seine Nähe zum Regime durch ein Porträt von Soleimani als Profilbild. Rezanis wissenschaftliche Arbeiten sind technischer Natur, während private Posts politisch aufgeladen wirken. Seine Ehefrau ist ebenfalls Teil des Netzwerks; ihre Familie hat Verbindungen zur Imam-Hossein-Universität in Teheran. Auch Zakanis Tochter lebt in der Schweiz trotz Behauptung ihres Vaters Alireza Zakani, dass sie nach ihrem Studium zurückgekehrt sei. Zakani, ein Hardliner und Bürgermeister von Teheran, steht wegen Menschenrechtsverletzungen unter Sanktionen. Er weist Vorwürfe des Doppellebens für seine Tochter zurück, doch NZZ-Recherchen belegen das Gegenteil. Zakanis Tochter arbeitete bis 2023 in der Schweiz und ist an derselben Adresse wie Rezani gemeldet. Eshraf Madani, einst Mitglied der Basij-Miliz, studierte Materialwissenschaften und gründete später eine Tourismusfirma sowie einen Wohltätigkeitsverein. Beide Männer arbeiteten in einem Schweizer Technologiezentrum zusammen. Die Verbindungen dieser Personen zu iranischen Elitekreisen werfen Fragen zur Sicherheit von Technologietransfers auf. Ein früherer Fall an der EPFL zeigte, wie akademisches Wissen militärisch genutzt werden kann. Die Verhaftung von Mohammad Abedini Najafabadi in Mailand im Dezember 2024 verdeutlicht die Risiken, die mit solchen Netzwerken einhergehen.