Die Schweizerische Volkspartei (SVP) erreicht aktuell historische Höchststände und ist in allen kantonalen Parlamenten mit über 600 Sitzen vertreten. Seit den nationalen Wahlen im Jahr 2023 hat die Partei fast ausschließlich Erfolge in den Kantonen verbucht, was sie auf einen Anteil von über 30 Prozent bei den Nationalratswahlen 2027 vorbereiten könnte.
Andere politische Kräfte wie FDP, Mitte, Grüne und Grünliberale verzeichnen dagegen Sitzeinbußen. Nur die Sozialdemokratische Partei (SP) konnte sich verbessern. Die Polarisierung im politischen Spektrum ist eng mit der Aufstiegsgeschichte der SVP verbunden.
Christoph Blocher, einflussreicher Gründer und ehemaliger Präsident der Zürcher Kantonalpartei seit 1977, formte die Partei von einer Kleinpartei, die nur über Landwirtschaft, Militär und Finanzen sprach, zu einem politischen Schwergewicht. Nach dem Verlust unter zehn Prozent bei den Wahlen 1975 gelang Blocher durch eine strategische Neuausrichtung der Aufstieg.
Blochers Strategie basierte auf der Stärkung einer exklusiven schweizerischen Identität, um sich gegen Zuwanderung und Globalisierung zu positionieren. Der entscheidende Durchbruch erfolgte 1992 mit dem Nein zum EWR-Vertrag, was den Beginn des Niedergangs der FDP in ihren katholischen Stammlanden markierte.
Die SVP erlebte seitdem einen kontinuierlichen Aufschwung und wurde 1999 zur größten Partei der Schweiz. Der Erfolg gründet auf dem Gründervater Blocher sowie einem effektiven, dauerhaften Wahlkampf, in dem linke Positionen scharf kritisiert wurden.
Die Wählerbasis der SVP zeigt eine wachsende Unzufriedenheit mit dem politischen System, was sich auch während der Pandemiejahre manifestierte. Blochers Zeit im Bundesrat zwischen 2003 und 2007 verdeutlichte die Kosten des Erfolgs: Die CVP musste damals einen Sitz abgeben, später wurde Blocher selbst aus dem Amt gedrängt.
Die Folgen für das schweizerische Konkordanzsystem sind gravierend. Kompromisse werden immer schwieriger, und der Bürgerblock ist gespalten. Die SVP hat alle anderen Parteien in eine Dauerwahlkampfphase gezwungen. Diese Dynamik wurde bereits von der SP übernommen und führte zu einem ausgeprägten Sozialpopulismus bei der Mitte unter Gerhard Pfister, während auch die FDP aggressiver auftritt.
Blocher steht nun vor dem Paradox seiner eigenen Schöpfung: Er wollte den Kleinstaat retten, doch seine Methoden tragen zur Demontage desselben Systems bei.