Langfristig gewinnen Parteien in Städten, die der urbane Wählerschaft überzeugende Lösungen bieten – nicht jene, die radikal werden. Es besteht Sorge unter Linken, dass Gentrifizierung ihr Elektorat beeinträchtigt könnte; eine Parallele zu Paris 1977, als Jacques Chirac überraschend Bürgermeister wurde. Doch Zürichs politische Landschaft unterscheidet sich: Seit März 2026 beherrschen linke Parteien die Stadtregierung und das Parlament. In Quartieren mit stark steigenden Mieten wie Langstrasse und Altstetten gewinnen sowohl SP als auch FDP Stimmen, während SVP-Verluste den Erfolg des Freisinns ausgleichen. Die Demografie begünstigt nicht die Bürgerlichen.
Rot-grüne Dominanz hat ein Gefühl der Alternativlosigkeit geschaffen; linke Parteien stellen immer extremere Forderungen. Doch ihre Vorherrschaft ist nicht unumstößlich. Übermut könnte eine Korrektur ermöglichen, wenn andere politische Lösungsvorschläge wieder anziehen.
Die urbane Mittelklasse, die sich in Zürich entwickelt hat, könnte auch von FDP oder GLP angezogen werden, falls diese überzeugende Lösungen bieten. Linke Parteien scheinen ihre Basis zu vernachlässigen und setzen auf Nischenprogramme, was finanzielle Engpässe verursachen wird – sogar grüne Finanzvorsteher wie Daniel Leupi warnen davor. Sie arbeiten an einer Verlotterung der Stadt durch Mietdeckelungen und Verbote aus Angst vor Verdrängung.
Zürich soll nicht attraktiver werden, weshalb die progressive urbane Mittelklasse das Gegenteil von dem erreicht sieht, was sie sich wünscht. Andere Parteien müssen diese Wählerschicht verstehen und umwerben. Sie bevorzugen Lebensqualität gegenüber niedrigen Steuern; ein Paar aus Zermatt zog nach Zürich wegen des «Way of Life» trotz hoher Steuerlast.
Parteien, die gewinnen wollen, müssen urbane Qualität sicherstellen: öffentliche Räume, Nutzungsvielfalt und lebendige Stadtstruktur. Attraktive Plätze, Pärke, Kulturangebote und gute Schulen sind essenziell – nicht exklusiv linke Ideen.
Politisch erfolgreich ist, wer als Garant urbaner Lebensqualität gilt und Unterstützung von Firmen und guten Steuerzahlern gewinnt. Die Linken haben ihre Erfolgsstrategie vergessen; ihr Modell steht zurzeit am Strassenrand zum Mitnehmen. Andere Parteien sollten sich inspirieren lassen, statt Opposition zu üben.
Um erfolgreich zu sein, müssen sie das linke Erfolgsmodell anerkennen und verbessern: «Wir halten den Kurs, aber wir machen es besser.» Die FDP versuchte dies mit «FDP Urban», doch fehlten überzeugende Tatbeweise. Es gilt, Volksabstimmungen zu initiieren gegen linke Verirrungen und für überzeugendere Lösungen urbaner Anliegen.
Die bürgerlichen Parteien sollten frische Ideen in Themenfeldern propagieren, wo Linke sogar bei ihrer Basis Anklang finden – etwa im preisgünstigen Wohnungsbau oder der Veloförderung. Andere Themen können Links-Grün überlassen werden; beispielsweise stimmte ein großer Teil der bürgerlichen Wählerschaft gegen die City-Card für Sans-Papiers.
Im Verkehrssektor zeigt sich, dass man als Verteidiger von Parkplätzen und zugleich als Anbieter überlegener Velolösungen erfolgreich sein kann. Linkswähler mögen zwar eine autofreie Stadt idealisieren, doch bevorzugen sie praktische Lösungen wie günstige Parkmöglichkeiten. Bürgerliche Wähler suchen nach sicheren, schnellen Velowegen – das Fahrrad ist ein praktisches Verkehrsmittel.
Es ist an der Zeit für andere Parteien, die ewiggleichen linken Lösungen herauszufordern und mehr Ideenwettbewerb zu schaffen. Ein Ende der Alternativlosigkeit könnte vielen Bürgerinnen und Bürgern Atem verschaffen.