Die USA verstärken ihre Präsenz im Golf mit Bodentruppen, doch das Ziel einer möglichen Operation auf iranischem Territorium bleibt umstritten. Insbesondere die strategische Bedeutung der Einnahme der Insel Kharg wird kritisch gesehen. Donald Trump, US-Präsident, pendelt sich zwischen militärischen Drohungen und Hoffnungen auf diplomatische Lösungen im Iran-Konflikt hin und her. Mal droht er mit dem Angriff auf iranische Stromnetze, mal lobt er das Regime in Teheran als ‘vernünftiger’. Seine tatsächlichen Absichten sind unklar. Die militärische Realität zeigt: US- und israelische Luftangriffe haben den Iran schwer getroffen. Doch gegen die Störungen im Öltransport durch Hormuz sind sie machtlos. Nun verlegen die USA heimlich Bodentruppen in die Region, was durch ‘Lecks’ aus dem Pentagon bekannt wurde. Bereits 2200 Marineinfanteristen sind im Arabischen Meer und weitere auf dem Weg; auch Luftlandetruppen und Spezialkräfte wie Army Rangers sowie Navy Seals werden verlegt. Offiziell gibt es keine Bodenoffensiven, doch die Verlegung spricht eine andere Sprache: Trump will sich Optionen offenhalten. Trump äusserte öffentlich, dass er Irans Ölressourcen kontrollieren möchte, etwa durch Einnahme der Insel Kharg, wo 90 % des iranischen Erdölexports abgewickelt werden. Diese Idee beschäftigte ihn schon vor vier Jahrzehnten. Bodenoperationen sind risikoreicher als Luftkriege – ein Punkt, auf den alle US-Präsidenten in den letzten Jahren geachtet haben. Während Clinton nur aus der Luft intervenierte und Bush die Taliban mit lokalen Milizen stürzte, ist eine Bodenoffensive gefährlicher. Luftoperationen sind politisch bequemer und sicherer für Soldaten, doch sie erreichen begrenzte Ziele. Ein Beispiel dafür ist der Irak-Krieg: Die meisten US-Todesopfer gab es später durch Sprengsätze. Bevor eine Bodenoffensive gestartet wird, muss das Pentagon klären, welche Ziele wirklich erreichbar sind. Der Plan, Kharg zu besetzen, wirft mehr Fragen auf als Antworten. Eine Besetzung würde den Export von iranischem Öl stoppen – ohne Bodenoperation durch die US-Navy verfügbar. Trump könnte mit der Einnahme von Kharg Verhandlungsmacht erlangen wollen, doch das birgt Risiken: Iranische Artillerie oder Drohnen könnten massive Gegenangriffe starten. Auch die Versorgungsschiffe wären gefährdet. Noch riskanter sind andere Optionen wie Besetzung von Küstengebieten zur Sicherung der Strasse von Hormuz oder Kommandoaktionen auf iranischen Atomanlagen, wo hochangereichertes Uran lagert. Eine solche Operation wäre besonders gewagt, da die Zugänge zur Anlage erst ausgebaggert und Iraner alarmiert wären. Zurzeit dienen die amerikanischen Bodentruppen eher als Drohkulisse oder um die Schifffahrt durch Hormuz zu sichern. Sollte Trump jedoch tatsächlich iranisches Territorium besetzen wollen, würde er ein enormes Risiko eingehen.