Die Gestehungskosten von Atomstrom variieren stark, doch überraschende Ergebnisse zeigen sich bei einem Querschnitt. Trotz des Rufes als unrentabel sind bestehende Kernkraftwerke in der Tat profitabel. Auch für die Schweiz, bekannt als Hochpreisland, liegen die Kosten unter 6 Rappen pro Kilowattstunde, inklusive Rückstellungen für Abbau und Endlagerung.
Die Schweizer Planung ist konservativ: Die geschätzten 25 Milliarden Franken für Rückstellungen sollen durch einen Zuschlag von etwa einem Rappen pro kWh finanziert werden. Finnland zeigt mit dem Endlager Onkalo, das bis zur Fertigstellung 2025 rund eine Milliarde Franken kostet und in diesem Jahr die ersten Brennelemente aufnimmt, dass günstigere Lösungen möglich sind.
Kernenergie wird oft als teurer angesehen, doch nicht unbedingt. Das Schweizer Kernkraftwerk Leibstadt benötigte inflationsbereinigt 8 Milliarden Franken pro Gigawatt – vergleichbar mit dem finnischen Olkiluoto-3-Kraftwerk. Erstlingswerke sind oft teurer; China baut neue Anlagen zu einem Drittel der Kosten westlicher Projekte. Global liegt man bei etwa 5 bis 6 Milliarden Franken pro Gigawatt, konservativ geschätzt auf 7 bis 8.
Die Kosten für Strom aus neuen Kernkraftwerken sind umstritten: Werte reichen von 3,5 bis 18 Rappen pro Kilowattstunde. Das Fraunhofer-Institut prognostiziert sogar bis zu 0,45 Rappen/Kilowattstunde, basierend auf stark steigenden Baukosten bei niedriger Auslastung.
Ein Vergleich mit Photovoltaik ist aufschlussreich: Ein 1-Gigawatt-Kraftwerk mit realistischer Auslastung von 85 Prozent erzeugt Strom zu Kosten von 8,5 Rappen. Im Gegensatz dazu liegen die Kosten für Solarstrom ohne Subventionen bei über 20 Rappen pro Kilowattstunde.
Doch größere Freifeldanlagen könnten unter günstigeren Bedingungen weniger kosten. Unter Berücksichtigung von Netzausbau und Speicher könnte der Preis jedoch stark ansteigen. Solarstrom ist in der Schweiz ohne Subventionen nicht wettbewerbsfähig.
In Wüstenregionen, wie den Emiraten oder Saudi-Arabien, kann Photovoltaik günstiger sein. Hier lassen sich Kosten von 1 bis 2 Rappen erzielen, doch auch dort sind Backup-Lösungen notwendig. Wasser- und Kernkraft sind in mittleren Breiten die effizienteren CO₂-armen Optionen.
Eine Herausforderung bleibt die Versicherung großer Risiken wie Kriege oder Blackouts. Für Kernenergie ist dies weniger problematisch; man schätzt den Schaden von Fukushima auf 240 bis 400 Milliarden Franken, obwohl moderne Anlagen das Risiko reduzieren. Eine globale Prämie könnte über Jahre beträchtliche Summen ansammeln.
Walter Rüegg ist Kernphysiker und Sachbuchautor mit Erfahrung in der Schweizer Armee.