In der Schweiz gibt es erstmals mehr Rentner als Personen unter 20 Jahren. Diese Statistik, die von Bundesbehörden bereitgestellt wird, spielt eine zentrale Rolle in der aktuellen Debatte um die Initiative für eine Obergrenze beim Bevölkerungswachstum.
Zu Beginn des Jahres veröffentlicht das Bundesamt regelmäßig vorläufige Daten zur demografischen Entwicklung. Interessanterweise fällt diese Veröffentlichung mit der Debatte um die SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» zusammen, die am 14. Juni zur Abstimmung steht und eine Beschränkung des Bevölkerungswachstums vorsieht.
Die Initiative könnte letztlich auch die Personenfreizügigkeit mit der EU beenden. Im Wahlkampf wird insbesondere die Alterung der Gesellschaft thematisiert, wobei Fragen zur Finanzierung der AHV und dem drohenden Arbeitskräftemangel im Pflegebereich diskutiert werden.
Ende 2025 wird erwartet, dass die Zahl der über 65-Jährigen jene der unter 20-Jährigen überschreitet. Aktuell leben in beiden Gruppen jeweils etwa 1,8 Millionen Menschen. Der leichte Vorsprung der älteren Generation könnte sich weiter ausbauen.
Der Geburtenrückgang ist auf eine sinkende Fortpflanzungsbereitschaft zurückzuführen: Im Jahr 2025 wurden knapp 78.000 Kinder geboren, was den vierten Rückgang in Folge darstellt. Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau liegt bei 1,28 – weit unter dem Wert von 2,1, der für eine stabile Bevölkerung ohne Zuwanderung benötigt wird.
Ab voraussichtlich 2035 wird es mehr Todesfälle als Geburten geben. Die Schweiz bewegt sich in ein bisher unbekanntes demografisches Terrain: Mehr Rentner als Kinder und Jugendliche sind eine historische Premiere. Die Bevölkerungsstruktur ähnelt nun eher einem Pilz.
Das Bundesamt betont, dass die Entwicklung die Alterung beschleunigt. Relevant ist nicht nur das Verhältnis der Altersgruppen, sondern auch ihr Gewicht im Vergleich zur aktiven Bevölkerung (20 bis 64 Jahre). Pro 100 Personen dieser Altersgruppe gab es Ende letzten Jahres 66 Personen unter 20 oder über 65.
Ohne Zuwanderung wäre die Alterung noch weiter fortgeschritten. Die Einwanderer, hauptsächlich im Erwerbsalter, haben diesen Trend gebremst: Der Wanderungssaldo betrug in den vergangenen zehn Jahren 670.000 Personen, was einem Bevölkerungswachstum von insgesamt 800.000 entspricht.
20 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind bereits über 65 Jahre alt; bei Einwohnern mit Schweizer Pass liegt dieser Anteil bei 24 Prozent, während er bei Ausländern nur bei 8 Prozent liegt.
Die Alterung wird durch zwei Faktoren erklärt: zum einen erreichen die älteren Jahrgänge der Babyboomer das Rentenalter; zum anderen steigt die Lebenserwartung weiter. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist um 4 bis 5 Monate gestiegen und liegt nun bei über 85 Jahren für Männer und fast 88 Jahre für Frauen.
Die Politik ringt mit den Konsequenzen dieser demografischen Verschiebung, während die Abstimmung über die Initiative eine wichtige Entscheidung darstellen könnte. Eine Annahme würde die Migration einschränken und somit die Alterung beschleunigen.