Die Polizei hat am Montag unverpixelte Fotos veröffentlicht, die in reichweitenstarken Medien gezeigt werden. Früher kritisiert, löst diese Methode heute kaum noch Aufregung aus.
Nach der gewalttätigen «Schande von Bern»-Demonstration am 11. Oktober des Vorjahres konnten viele Täter unter den Teilnehmern entkommen. Die Polizei nahm über 500 Personen fest, die nach ein paar Tagen wieder freikamen. Doch nun ist die scheinbare Anonymität nicht mehr gegeben: Mit einer Öffentlichkeitsfahndung identifizierten die Berner Ermittler bereits fünf von 31 mutmaßlichen Straftätern.
Die Polizei setzte auf ein dreistufiges Modell zur Fahndung: Ankündigung der Veröffentlichung, dann verpixelte Fotos und schließlich unverpixelte Bilder. Vor dieser Strategie waren 101 Verdächtige bekannt; durch die Veröffentlichung von zwölf Bildern konnten weitere identifiziert werden.
Seit Montag sind auf der Website der Berner Kantonspolizei alle verbleibenden verdächtigen Personen zu sehen. Die Behörden bestätigten, dass fünf Personen und elf Bilder bereits entfernt wurden. Im Gegensatz zu früheren Fahndungen bleibt diese Online-Veröffentlichung “bis auf weiteres” erhalten.
Der Sicherheitsdirektor des Kantons Bern, Philippe Müller (FDP), der am Sonntag wiedergewählt wurde, unterstützte die Öffentlichkeitsfahndung und will seine Politik sogar noch konsequenter fortsetzen. Die Kantonspolizei betonte, dass dies die umfangreichste solche Fahndung sei.
Kritik kam vor allem von linksradikalen Kreisen und der Vereinigung “Demokratische Jurist*innen Bern”, die eine Vorverurteilung befürchten. Patrice Zumsteg von der ZHAW Winterthur warnte vor einer schwerwiegenden Grundrechtsbeschränkung. Doch die Aufregung bleibt gering; rechtlich ist die Veröffentlichung zulässig.
Im Gegensatz zu 2019, als die “Basler Zeitung” für ihre unverpixelten Bilder stark kritisiert wurde, zeigt sich diesmal eine gedämpftere Reaktion. Die Bevölkerung scheint von den zahlreichen Gaza-Demonstrationen genug zu haben, wie Kommentare unter den Artikeln nahelegen.
Die Anti-Israel-Kundgebung hatte zwar Wirkung gezeigt – jedoch nicht in der vom Organisatoren gewünschten Form.