Fast täglich sieht sich das Königreich Iranischen Angriffen ausgesetzt. Der einflussreiche Kronprinz Mohammed bin Salman hält sich derzeit zurück, doch wie lange noch? In einem Café in Olaya, dem historischen Zentrum Riads, strahlen die Männer unter der intensiven Frühlingssonne und genießen den Alltag. Im Vergleich zu anderen Golfstädten wirkt die saudische Hauptstadt weitgehend normal: Geschäfte sind geöffnet, Autos stauen sich auf Autobahnen. Doch der seit knapp einem Monat andauernde Krieg zwischen Israel, Amerika und Iran trifft Saudiarabien tief.
Der Kronprinz hatte gehofft, sein Land als bedeutende Macht in der Region zu etablieren. Mit Erfolg sicherte er die Austragung der Fussball-WM 2034 und der Expo 2030 für Saudi-Arabien. Zudem spielte Riad eine aktive Rolle im Syrienkonflikt und zwang den unmittelbaren Nachbarn zum Abzug aus Jemen. Doch nun sieht sich bin Salman mit Angriffen konfrontiert, die Iran als Vergeltung gegen Israel und Amerika führte.
“Iran hat das Abkommen gebrochen”, äußert sich Faisal Abbas, Chefredaktor der “Arab News” und gut vernetzt in saudischen Machtzirkeln. Saudiarabien setze auf Verhandlungen, doch die Geduld sei begrenzt. Die saudi-arabische Flugabwehr zeigt Effektivität bei Raketeninterzepten, aber die Situation bleibt angespannt. “Unser Land ist groß und kann daher mehr abfangen”, erklärt Abbas. Zudem gibt es eine Pipeline seit 1981, welche Erdöl im Notfall umleiten kann.
Trotz der stabilen Erdöleinnahmen stellt dieser Konflikt eine Belastung dar. Bin Salman, der für sein Land einen globalen Machtanspruch einfordert, wird kaum hinnehmen können, dass Teheran die strategisch wichtige Wasserstraße als Druckmittel nutzt. Saudi-Regierungsvertreter drängen laut US-Medienberichten darauf, Iran nicht aus den Augen zu verlieren.
Es ist unwahrscheinlich, dass Riad Trump zum Kriegsausbruch gedrängt hat – ein solcher Konflikt würde gerade dem Land schaden, das gerade erst bedeutende internationale Veranstaltungen gesichert hatte. Zudem sind Stabilität und Fortschritt entscheidend für Saudiarabien.
Riads Reaktion auf die Angriffe bleibt abzuwarten; Beobachter spekulieren über eine mögliche Eskalation. Die Prinz-Sultan-Basis dient den USA bei Militäraktivitäten, während Saudi-Arabien seine Allianzen mit Pakistan und anderen Golfstaaten in Reserve hält.
Während die Explosionen am Himmel sind für viele Saudis weit entfernt; wirtschaftliche Herausforderungen stehen im Vordergrund. Bin Salman musste einige Megaprojekte verkleinern, was Bürger belastet. “Alles wird teurer”, beklagt ein junger Angestellter. Trotzdem gibt es Vertrauen in Gott und die Regierung.