An den Osterfeiertagen erleben Autofahrer in der Schweiz die teuersten Tankstellenbesuche seit vier Jahren. Während dieser Zeit sind die Treibstoffpreise erheblich gestiegen, mit einem besonders starken Anstieg bei Diesel. Nach Daten des TCS erhöhte sich der Durchschnittspreis für einen Liter Diesel in nur zwei Tagen um fast 4 Prozent auf 2,24 Franken und erreichte damit den höchsten Stand seit dem Beginn des Ukraine-Krieges im Jahr 2022. Auch die Benzinpreise sind deutlich gestiegen. Vor dem Ausbruch des Iran-Konflikts Ende Februar lag der Durchschnittspreis für Bleifrei-Benzin 95 noch bei 1,64 Franken, heute beträgt er 1,89 Franken – ein Anstieg von 15 Prozent. Bleifrei-Benzin der Sorte 98 hat die Zwei-Franken-Marke bereits überschritten. Die Preise variieren allerdings stark zwischen Regionen und Anbietern; unabhängige Tankstellen bieten oft günstigere Konditionen als internationale Ketten wie Avia, BP oder Shell. Der rasche Preisanstieg ist vor allem auf die Unsicherheiten an den Energiemärkten seit Beginn des Iran-Konflikts zurückzuführen. Mit der Verteuerung von Rohöl haben Tankstellenbetreiber deutlich höhere Beschaffungspreise für Benzin und Diesel zu verkraften, da diese Preise stark von denen an der Börse Rotterdam abhängig sind, die den weltweiten Ölmarkt widerspiegeln. Zudem beeinflussen der Wechselkurs des US-Dollars sowie Transporttarife der Rheinschifffahrt die Treibstoffpreise. Politische Spannungen oder Kriege in energiepolitisch wichtigen Regionen, wie dem Nahen Osten, führen zu schnellen Reaktionen an den Märkten. Ein beträchtlicher Anteil des weltweiten Rohöltransports ist durch die Sperrung der strategischen Straße von Hormuz blockiert, was Transport- und Versicherungskosten erhöht. Neben dem höheren Preis für Rohöl aufgrund des Iran-Konflikts tragen auch Raffinierung und Vertriebskosten zu den gestiegenen Beschaffungspreisen bei. Dies umfasst die innerstaatliche Auslieferung, Lagerhaltung sowie den Betrieb der Tankstellen. Etwa die Hälfte des Treibstoffpreises resultiert aus staatlichen Abgaben wie Mineralöl- und Mehrwertsteuer sowie Importabgaben. Für Autofahrer ist auch das Phänomen „Rockets and Feathers“ problematisch: Steigt der Rohölpreis rasch an, folgen die Benzinpreise schnell. Sinken sie jedoch wieder, dauert die Preisanpassung nach unten viel länger. Dies wird durch den stark konzentrierten Tankstellenmarkt in der Schweiz begünstigt, wo wenige große Anbieter dominieren und wenig Druck zur Preisreduzierung besteht. Die Untersuchungen des Preisüberwachers im ersten Halbjahr 2022 zeigten zwar, dass höhere Rohölpreise rasch an die Autofahrer weitergegeben wurden, während Preissenkungen zögerlich erfolgten. Es gab jedoch keine Anzeichen dafür, dass Tankstellen ihre Gewinne unangemessen steigerten oder sich wettbewerbswidrig verhielten.