In Zürcher Kindergärten arbeitet Andrea Frei Käser, eine Heilpädagogin ohne Lehrdiplom, mit Leidenschaft. Früher galt sie als begehrt wegen des Mangels an Lehrkräften, der es erlaubte, dass auch Personen ohne Diplom (Poldis) unterrichteten – allerdings maximal ein Jahr pro Stelle.
Ab dem Schuljahr 2026/2027 wird diese Ausnahmeregelung laut Zürcher Volksschulamt aufgehoben. “Viele Poldis sind fähig und erfahren, können aber aus verschiedenen Gründen kein Diplom nachholen”, sagt Frei Käser. Für sie selbst ist es mit 61 Jahren nicht mehr möglich, das Lehrdiplom zu erwerben.
Das Volksschulamt begründet den Wegfall der Regelung mit einer Entspannung auf dem Arbeitsmarkt: “Im Vergleich zu 2023 gibt es 35 Prozent weniger offene Stellen”, erklärt Myriam Ziegler, Leiterin des Amts. Der Kanton geht davon aus, dass regulär ausgebildete Lehrkräfte wieder genügend werden.
Für Ralph Böhler ist das eine Chance. Der ehemalige Softwareentwickler arbeitet bereits als Kindergartenlehrer und macht nun an der Pädagogischen Hochschule Zürich sein Diplom. “Die ersten zwei Monate waren herausfordernd, aber ich bleibe dran”, sagt Böhler. Er profitiert vom erweiterten Fachwissen.
Silja Rüedi, Prorektorin der Hochschule, betont die Wichtigkeit einer fundierten Ausbildung: “Man lernt Zeugnisvergabe, Elterngespräche und Schulentwicklung – das kann man nicht intuitiv beherrschen.”
Böhler wendet seine neuen Kenntnisse direkt im Kindergarten an, beispielsweise beim spielerischen Mathematiklernen mit Steinen.
Während in der Grundschule die Lage sich entspannt, bleibt die Situation in der Heilpädagogik kritisch. Hier bleibt die Ausnahmeregelung bestehen und Andrea Frei Käser wird wohl weiterhin eine Stelle finden.